Freitag, 21.8.92, 6.Tag
Skye: Cuillian Mountains: Von Sligachan zum Loch na Créitheach
- 8:00 Aufstehen. Die Mücken sind auch schon da, etwas hartnäckiger als
am Vorabend. Wir waschen ab, knabbern ein paar Kekse, bauen das Zelt ab und
marschieren um 10:00 los. Es regnet ein wenig, die vom Vortag feuchten
Sachen fühlen sich widerlich an.
- 10:00 Wir laufen los, in Ponchos gehüllt. Der Weg ist zunächst breit
und recht gut, wird dann aber feucht, weil das Wasser aus dem gesättigten
Boden auf dem Pfad abfließt. Dann kommt noch eine Torfschicht dazu, fertig
ist das Schlammbad.
Um 11:00 machen wir ein paar Minuten Pause, dann geht's weiter. Kurz vor
Mittag, nach Überquerung eines größeren Schlammfeldes, machen wir
Mittagspause und kochen auf ein paar Felsen Nudeln. Sligachan ist außer
Sichtweite, und außer ein paar vorbeiziehenden Wanderern sind wir allein.
Hinter uns steigt ein felsiger Hügel empor, vor uns liegt ein weites Tal mit
Fluß, baumlos wie alles in Schottland. Gegenüber, auf der anderen Talseite,
steigen wieder die Berge empor, von denen dutzende kleine Bäche stürzen.
Als Krönung des Tages kommt auch noch die Sonne 'raus, und die Niederschläge
hören auf.
Um 13:15 geht's weiter. Wir treffen eine junge Amerikanerin, die in Paris
arbeitet, und heute als Tagestour vom Sligachan Hotel aus ein Stück ins
Gelände und wieder zurück läuft. Bei einer Pause kosten wir zum erstenmal
das torfbraune Wasser aus einem Bach. Es schmeckt nicht mal schlecht. In
den Highlands soll man fast überall, wo gerade keine Schafe stehen, das
Wasser noch trinken können.
- 16:00 Endlich erreichen wir Loch na Créitheach, Ziel
unserer Tour. Im Gelände schafft man rund drei Kilometer pro Stunde. Der
kleine See liegt in einem Tal, an einer Seite ragen die Berge steil vom
Seeufer empor, an der anderen führt der Pfad vorbei, dahinter steigen die
Hügel an. Am Ende des Sees gibt es einen Kiesstrand mit Grasstreifen,
daneben liegt ein angekettetes Boot. Wir stellen das Zelt halb aufs Gras,
halb auf den Kies, rund 6 Meter vom Wasser weg. Die Sonne scheint, Claus
und ich schwimmen ein wenig im See, Chris läßt immerhin die Füße ins Wasser
hängen. Wir futtern noch Müsli, legen die nassen Sachen im warmen Kies aus,
faulenzen rum und liegen in der Sonne. Das sollte sich bitter rächen...
- 19:00 Jetzt entdecken uns die Mücken. Sie müssen in dieser Ecke schon
lange nichts mehr zu fressen bekommen haben. Es sind Abermillionen; man
sieht fast nichts vor lauter Viechern, und unser ganzer Kram liegt noch am
Strand verstreut. Wir werfen die Isomatten und Schlafsäcke ins Zelt, legen
Steine auf die Sachen, die draußengeblieben sind, wuchten die Rucksäcke und
die Klamotten in die Apsis und verschwinden im Zelt. Schade um den schönen
Abend. Im Zelt werden noch ein paar hundert Mücken erledigt, dann wird
Bilanz gezogen. Ich habe alleine am rechten Unterarm 63 Stiche und lief die
ganze Zeit in der Badehose rum. Medikamente, Wasser, alles draußen bei den
Mistviechern. Später schaffen wir es, die Medikamente und Wasser
'reinzuholen. Nach dem Verarzten legen wir uns schlafen.