Mittwoch, 19.8.92, 4.Tag
Skye: Erste Wanderung von Broadford nach Luib und Campieren in Portree
- 8:30 Wir stehen auf. Es hat in der Nacht geregnet und gestürmt, der
Boden ist etwas matschig. Wir machen die erste Bekanntschaft mit den
gefürchteten schottischen Mücken: kleine Biester, die zu Millionen das Zelt
umschwirren und auf allem sitzen, was für sie ungewohnt aussieht, auf
Rucksack, Zelt,...
Wir marschieren nach Kyleakin zurück und setzen nach Kyle of
Lochalsh über, um im Ort zu frühstücken (Brot, Honig und Müsli), und ich
kaufe eine Detailkarte von Süd-Skye und besorge Busfahrpläne im TI.
Christian findet seinen Rucksack viel zu schwer, er und Claus beschließen,
ein Paket zu kaufen und ein paar Klamotten gen Heimat zu schicken. Ich lege
meine zweite kurze Hose dazu, weil ich den Eindruck habe, daß ich sie nicht
brauchen werde. Das Paket kostet fünfzehn Pfund Porto, wir packen die
Rucksäcke nochmal um und setzen wieder über nach Kyleakin, wo um 13:30 der
Bus in Richtung Broadford fährt.
Von dort aus wollen wir erst ein Stück der Straße entlang und dann einem
Rovertrack ins Gelände bis nach Luib folgen.
- 15:30 Der Weg (endlich abseits der Straße und über einer Bucht, am
Hügel aufsteigend - endlich blauer Himmer und blaues Meer!) überquert einen
Bach und ein Wasserfall ist in Sichtweite. Wir machen dort Pause, laufen
den Bach ein Stück hoch, lassen die Füße ins Wasser hängen. Gegen 16:30
geht's weiter, rauf auf eine Hügelkette, keine Häuser mehr im Blickfeld,
dafür aber die typische Moorlandschaft, diesmal mit steilen, schroffen
Hügeln, die schon recht felsig sind. Nach einer Weile kommt ein See ins
Blickfeld, das Zeichen dafür, daß wir nun bald Luib erreichen werden. Der
Weg wird noch einmal richtig naß, und das, obwohl es tagsüber noch nicht
geregnet hat. Wir erreichen Luib, wo es laut Detailkarte
einen Campingplatz geben soll. Nach einer Umrundung des Fünf-Häuser-Nestes
und einer Ortsbesichtigung sind wir sicher, daß an der Stelle, an der der
Campingplatz sein soll, ein Zaun und ein Misthaufen stehen. Wir fragen
einen Anwohner, und er meint, der Fehler wäre seit Jahren auf den Karten.
Wir haben keine Lust, wieder in die Hügel zu laufen und in der recht
feuchten Landschaft zu zelten, und zum Glück soll gegen 21:00 noch ein Bus
in Richtung Portree fahren.
- 18:00 Wir lassen uns auf einer Schotterfläche nieder und kochen
Abendessen, Reis und Soße. Währenddessen kommen dauernd Tornados der Royal
Air Force zwischen den Hügeln 'rausgeflogen, in max. 50 Metern Höhe direkt
über unseren Köpfen. Später lesen wir in der Zeitung, daß sich aus
Schottland die Beschwerden über zu tief fliegende Militärmaschinen häufen
und deshalb Flughöhenmessungen ohne Vorankündigung durchgeführt werden
sollen (na also - Radarkontrollen für Tiefflieger).
Nach dem Essen laufen wir noch ein bißchen am steinigen Strand rum, und
dann kommt der Bus.
- 21:05 Der Bus kommt. Wir fahren in die Dämmerung und erreichen nach
einer halben Stunde Portree. Die Straße dahin wurde
zum Teil mitten durch den Fels gesprengt.
Dort haben nur noch die Polizei und die Kneipe offen, ich frage bei der
Polizei nach dem Campingplatz und bekomme einen fertigen Plan in die Hand
gedrückt. Zum Glück, denn wären wir der Wegbeschreibung im Reiseführer
gefolgt, wären wir in die falsche Richtung aus dem Ort 'rausgegangen. Der
Campingplatz liegt ein bis zwei Kilometer außerhalb in Richung Staffin auf
dem nächsten Hügel. Der Platz ist recht voll. Wir bauen das Zelt auf,
futtern noch was und legen uns schlafen. In der Nacht regnet es etwas, und
ein paar Windböen schütteln das Zelt.