Dienstag, 18.8.92, 3.Tag
Inverness, Loch Ness, Glan-Affric-Bahn, Kyle of Lochalsh und erste
Eindrücke von Skye
- 7:15 Mit Aufstehen, Duschen und Frühstück machen fängt der Tag an. Wir
genießen zum ersten Mal Müsli mit Milchpulver. In den beiden Zelten
gegenüber sind drei Deutsche, die mit ihren Mountain-Bikes unterwegs sind.
Wir unterhalten uns eine Weile mit ihnen und erfahren, daß sie für rund 450
DM mitsamt Fahrrad nach Edinburgh (und später auch wieder zurück) per
Flugzeug gekommen sind. Dann bauen wir das Zelt ab, waschen Geschirr,
packen, und fahren um 10:00 weiter gen Inverness.
- 10:20 Wir fahren durch Inverness in Richtung Loch
Ness.
Wir wollen erst den See sehen, bevor wir uns in die Stadt stürzen,
zumal wir noch nicht so genau wissen, was wir tun werden. Wir haben vor,
per Zug nach Kyle of Lochalsh zu fahren, und dann zu Fuß die Insel Skye
unsicher zu machen, und irgendwann durch ein größeres, unbewohntes Gebiet um
Loch Maree zu laufen, aber genauere Gedanken haben wir uns noch keine
gemacht.
Inverness macht keinen besonders schönen Eindruck, eine Industriestadt mit
Geschäftskern, Bahnhof, Parkplätze. Dies ist allerdings bloß der Eindruck,
den wir beim Vorbeifahren bekommen.
Wir fahren so 20-30 Kilometer am Loch Ness entlang,
sehen das Urquart Castle, fahren am offiziellen Monster-Museum vorbei.
Massenweise junge Leute mit Rucksäcken laufen die Straße entlang, und jede
Menge Busse mit Monsterjägern stehen auf den Parkplätzen. Gegen 11:30
finden wir eine flache Uferstelle und gehen bei rund acht(?) Grad
Wassertemperatur schwimmen. Christian hält's nicht lange aus, Claus und ich
bleiben drin, bis wir ordentlich durchgefroren sind. Nessie ließ sich nicht
blicken. Leider hatte Chris Schwierigkeiten mit seiner Kamera und stellte
erst viel später beim 39. Bild fest, daß der Film nicht transportiert
wurde, und so haben wir kaum Fotos von Loch Ness.
- 12:30 Rückfahrt nach Inverness. Wir stellen das Auto in einem Parkhaus
ab und schauen uns im Stadtkern um. Beim TI holen wir uns ein paar
Informationen. Zum Mittagessen gibt's 'Chicken Matras', eine Art Curry-Reis
mit ein paar Hühnerfetzen. Um den Geschmack loszuwerden, werfen wir bei
McDonald's noch ein paar Burger nach. Anschließend versuchen wir beim TI
und der Polizei rauszukriegen, wo wir das Auto für die nächsten zwei Wochen
lassen können. Uns wird empfohlen, es auf den bewachten Parkplatz am
Bahnhof zu stellen. Wir tätigen noch ein paar Einkäufe, unter anderem ein
paar Postkarten, um die Familien wissen zu lassen, daß wir zumindest lebend
in Schottland angekommen sind. Dann parken wir das Auto auf dem
Bahnhofsparkplatz und siehe da, die Parkgebühren betragen 2.50 Pfund pro
Tag. Wir haben keine Wahl, parken, packen die Rucksäcke, verriegeln die
Karre und gehen zum Bahnhof, wo wir für zwölf Pfund die Tickets für den
18:30-Zug nach 'Kyle of Lochalsh' an der Westküste kaufen.
- 19:25 Der Zug fährt ab, knapp eine Stunde zu
spät. Bei rund drei Stunden Fahrzeit werden wir also in totaler Dunkelheit
in Kyle ankommen, wo es laut Reiseführer keinen Campingplatz gibt. Der Zug
ist voll junger Leute, offensichtlich alles Touristen. Vom Zuhören schätze
ich: Deutschland, Spanien, England, Amerika und Frankreich sind die
Heimatländer.
Die Zugfahrt geht durch atemberaubende Landschaft, den nördlichen Teil des
Glen Affric. Highland-Hügel, moorige Täler, kaum Zivilisationsspuren,
einfach phantastische Landschaft, und die Schienen gehen mittendurch. Die
grün-gelb bewachsenen Hügel, dazwischen die Täler, durch die sich Flüsse mit
dunklem Wasser ziehen, meterdicke Torfschichten und kaum größere Vegetation
geben einem das Gefühl, auf einem anderen Planeten zu sein.
Abgesichts des sehr feuchten Bodens, der voller Tümpel, Wasserläufe und
Morast ist, gebe ich den Gedanken auf, zu Fuß querfeldein von Kyle nach
Torridon zu wandern.
Gegen Ende der Fahrt ist es leider schon etwas dunkel, und wir sehen leider
nur noch die Silhouetten der Berge um die Bucht von Kyle. Der Zug kommt um
21:30 an, entprechend flott kam uns die Fahrt auch vor. Wir rasten im
Tiefflug über holprige Schienen und es rumpelte dabei schon fast
beängstigend.
- 21:30 In Kyle of Lochalsh überlegen wir, wo wir die Nacht verbringen. Der
winzige Ort liegt am Hang direkt am Meer, dahinter steigen die Hügel auf, im
Dunklen läßt sich kein geeigneter Platz zum Campen ausmachen.
Wir beschließen, mit den anderen Leuten die Fähre
rüber zur Insel Skye zu nehmen, bevor sie für heute den Betrieb einstellt.
Die Fähre ist für Fußgänger kostenlos und verbindet die
Innere-Hebriden-Insel Skye ueber 200-300 Meter Meer mit dem Festland.
Drüben angekommen laufen wir in den Ort Kyleakin, um festzustellen, daß die
ganzen Leute in die Jugendherberge gehen, die total überbelegt ist. Nach
einem Moment des Grübelns laufen wir los, die Straße entlang ins
Inselinnere, und nach ein paar Kilometern bietet sich in einem Weg, der
links von der Straße abgeht, die Möglichkeit, am Ende eines Feldwegs das
Zelt aufzuschlagen. Der Boden ist recht feucht, und im Gras stehen einige
Pfützen, aber der Platz ist von der Straße aus nicht zu sehen und abgelegen
genug. Wir schlagen das Zelt auf, und merken, daß der Boden nicht nur
feucht, sondern auch steinhart ist. Dann legen wir den Boden der Apsis mit
ein paar großen Steinen aus und gehen so gegen 22:30 schlafen. Unsere erste
Nacht in der Wildnis. Der Boden ist steinig und irgendwelche Steine unter
der Isomatte traktieren meinen Hüftknochen.