Montag, 17.8.92, 2.Tag
Byrness, Edinburgh, Grampian Mountains und die erste Nacht in Schottland
- 7:15 Aufstehen, Zeltabbau. Zum ersten mal kämpfen wir mit dem
Schlafsack, um ihn davon zu überzeugen, in seine Hülle zurückzukehren. Das
Frühstück fällt aus, das wollen wir später nachholen. Wir fahren zurück auf
die Schnellstraße und weiter gen Norden.
- 12:00 Wir halten bei Byrness, einem kleinen Ort
fast genau auf der Grenze zwischen England und Schottland. Wir füllen einen
der Wasserkanister aus einem kleinen See (für alle Fälle). Das Wasser des
Sees ist hellbraun, und im Plastikkanister sieht man, dass die Farbe von
winzigen Torfteilchen stammt, die im Wasser schweben. Hier muß unser
einziges Thermometer verlorengegangen sein, jedenfalls war es später nicht
zu finden.
Die Landschaft ist schon recht hügelig, aber es gibt hie und da noch Wald,
und viel Weide. Irgendwie erinnert es etwas an den Schwarzwald. Das Wetter
ist gut, die Sonne scheint, und nur ab und zu sehen wir ein paar Wolken.
- 14:00 Wir erreichen Edinburgh, fahren in die
Stadt und parken am George Square, direkt am älteren Teil der Universität
von Edinburgh. Dann ziehen wir ein wenig durch die Stadt, vorbei am Schloß,
ins Stadtzentrum. Die Stadt macht einen hektischen Eindruck; dies könnte
möglicherweise am bevorstehenden 'Edinburgh Festival', DEM Kulturereignis in
England, liegen. Die Straßen sind voller Leute, hie und da treten ein paar
Künstler auf der Straße auf, dutzende kleiner Läden für alles Mögliche in
jeder Straße. An jeder Ecke Hinweise auf Theaterstücke, gespielt und
musiziert wird in jedem freien Saal. Massenweise junge Leute, ob das wohl
alles Studenten sind...?
Irgendwann meldet sich der Hunger, und wir stehen gerade vor Burger King.
Mangels irgend einer anderen Freßbude in Sichtweite futtern wir Burger und
Pommes, ein durchaus typisches Mahl, wie sich später zeigen sollte. Zurück
an der Uni decken wir uns im 'Student's Union Shop' (sowas wie der Asta, nur
professioneller) mit Schokolade und Keksen ein.
Anschließend laufen wir so 2-3 Meilen aus dem Stadtzentrum raus zum
technischen Campus, weil ich mir die Informatikabteilung anschauen will (die
Saarbrücker Informatik arbeitet in Sachen Auslandsstudium und Europadiplom
mit Edinburgh zusammen). Ich laufe ein wenig im Infobau 'rum , da es aber
schon nach 16:00 ist, ist kaum noch jemand da außer ein paar Hackern. Ich
spreche jemanden an, der zufällig der Operator der Informatik-Rechner ist,
und unterhalte mich eine Weile mit ihm. Er führt mich noch durchs Gebäude
und vermacht mir seine Studienordnung für unsere Fachschaft. Dann fällt
Claus ein, daß der Parkplatz mit unserem Auto um 18:00 dichtmacht. Es ist
17:40. Claus und Chris wetzen los, um das Auto zu holen. Ich schicke noch
eine Urlaubs-Gruß-Mail gen Heimat und verabschiede mich dann.
- 18:30 Wir verlassen Edinburgh über den Firth of Forth (auf dem Mike
Oldfield wenige Tage später mit einer Performance 'Tubular Bells II'
vorstellte) und löhnen erst mal Brückenzoll. Dies ist eine beliebte
Methode, den Unterhalt für die großen Brücken zusammenzubekommen. Man soll
etwa 70 pence bezahlen, wenn man über die Brücke fährt. Am Tag dürften dies
einige zehntausend Fahrzeuge tun.
Dann geht's weiter mit Volldampf Richtung Inverness auf direktem Weg durch
die Grampian Mountains. Jetzt werden die Highlands
zum erstenmal richtig schön hügelig, und die Farben der Highlands erstrahlen
in der untergehenden Sonne: das Lila des Heidekrauts, sowie die grün-gelbe
Farbe der Moorgräser. Wir fahren durch schöne Landschaften mit Flüssen und
Seen bis in die Dämmerung. Es gibt kaum Bäume oder Sträucher, die
Landschaft erscheint uns seltsam kahl.
Es sind noch weniger als zwanzig Meilen bis Inverness, aber wir
beschließen, hier irgendwo zu campen. Wir finden einen Campingplatz in
'Boat of Garten', einem Örtchen etwas abseits der Hauptstraße. Übernachten
mit drei Leuten und einem Zelt kostet sieben Pfund. Es stehen schon einige
Zelte und Wohnmobile auf dem Platz, teilweise mit Fahrrädern davor. Wir
kochen noch Abendessen (Suppe aus unserem schier unendlichen Vorrat an
Instant-Suppen und Nudeln mit Instant-Soße), und gehen gegen 22:30 schlafen.
Die Nacht ist sternenklar und saukalt, es war wohl die kälteste Nacht, die
wir während der Fahrt hatten.