Montag, 31.8.92, 16.Tag
Wilderness Walks: Zurück in die Zivilisation - Rückkehr mit
Hindernissen nach Inverness
- 8:30 Aufwachen. Es regnet draußen. Und die Mücken sind auch schon da,
also fällt das Frühstück mal wieder aus. Das neue Mückenschutzmittel
funktioniert zwar, aber die Biester finden immer eine Stelle, die man nicht
eingeschmiert hat. Wir packen hektisch, ziehen die nassen Klamotten an (das
ist ein Gefühl, das versaut jeden Morgen! Nach dem feuchten T-Shirt und den
feuchten Socken die Hose mit nassen Beinen. Und die nassen Stiefel...),
bauen in einer Regenpause das Zelt ab und marschieren um 10:05 los. Wir
müssen noch ein paar Bäche überqueren, die teilweise recht tief sind, dann
erreichen wir die ersten Höfe von Kinlochewe, etwas
über eine Stunde nach dem Abmarsch.
In der Ortsmitte erfahren wir dann, daß wir den einzigen Bus des Tages, der
in Richtung Achnasheen fährt, um höchstens eine Stunde verpaßt haben. Wir
traben erst mal zum einzigen Laden im Ort, decken uns mit Schokolade und
Zeitungen ein und setzen uns dann in ein Café und essen Burger und Fish and
Chips. Vor'm Laden treffen wir noch zwei deutsche Tramper, denen das Geld
ausgegangen ist, und die irgendwie nach Inverness zur Post kommen müssen.
Sie versuchen eine Weile erfolglos, Autos anzuhalten.
Chris watzt plötzlich los in Richtung Toilette, er hat Durchfall. Es
bleibt aber ein Einzelfall, lag wohl an dem anstrengenden Tag gestern.
Soeben finden wir auch 'raus, was in unserer kiloschweren
Medikamentensammlung fehlt: Kohletabletten.
Taxis gibt es in diesem abgelegenen Nest auch nicht, und die einzige
Möglichkeit, noch irgendwohin zu fahren, ist der Postbus nach Gairloch in
die falsche Richtung. Nach einigem Hin und Her und Fahrplanstudieren
beschließen wir, die neun Meilen lange Strecke nach Achnasheen zu laufen und
hoffen, auf der Straße schnell genug zu sein, um den 17:00-Zug aus Kyle zu
erwischen.
- 12:50 Wir gehen los und legen ein ordentliches Tempo vor. Es regnet
sintflutartig. Die Straße windet sich einsam in einem Tal empor, daneben
verläuft ein Fluß. Wir versuchen, die in unsere Richtung fahrenden Autos
anzuhalten. Einmal hält ein Peugeot 205, hat aber nur Platz für maximal
zwei Leute.
Wir erreichen den höchsten Punkt der Straße, nun geht es wieder etwas
bergab. Dafür schütteln uns jetzt Windböen. Wir erreichen einen kleinen
See, Loch a' Chroisg, an dessen anderem Ende Achnasheen liegt, es sind nur
noch ein paar Kilometer. Bei einem weiteren Versuch, ein Auto anzuhalten,
hält eine junge Frau mit Kombi an und nimmt uns mit. Wir waren tatsächlich
nicht mehr weit vor unserem Ziel und sind so schnell gelaufen, daß wir den
15:00-Zug Kyle-Inverness noch hätten nehmen können. Doch es kommt anders.
Die Frau fährt nach Dingwall, einem Städtchen keine zwanzig Kilometer vor
Inverness, und nimmt uns bis dorthin mit.
In Dingwall trinken wir erstmal was und suchen dann den Bahnhof. Um 17:00
kommt hier als nächstes der 15:00-Zug aus Kyle durch, der nächste Bus noch
etwas später. Wir nehmen den Zug, treffen noch ein paar Deutsche am
Bahnhof, und sind gegen 17:30 in Inverness.
- 17:45 Das Auto ist auch noch da, wir verpacken den ganzen Kram, und
löhnen 32.50 Pfund Parkgebühren. Im Nachhinein sollte man mal 'rauskriegen,
was zwei Wochen Falschparken vor der Polizeiwache kostet.
Anschließend fahren wir an den Stadtrand zum Campingplatz. Der Platz ist
groß und in gutem Zustand, und er kostet nur drei Pfund für die Nacht. Wir
duschen, bauen das Zelt auf und durchlüften es, ziehen endlich trockene
Klamotten und Schuhe an, sofern noch vorhanden. Da ich entschieden zu viele
Klamotten mit mir 'rumschleppe, habe ich noch eine komplette Montur
inklusive Schuhe. Weil der Platz Waschmaschinen und Trockner hat,
beschließen wir, Kleider zu waschen und im Anschluß daran in die Stadt zu
fahren, um mal richtig groß essen zu gehen, mit Steak und so. Wir waschen
zwei Durchgänge, und die Waschmaschine und der Trockner laufen ewig lange.
Dazwischen reden wir mit zwei Nordiren, die uns empfehlen, die
Bushmills-Distillerie zu besichtigen, wenn wir sowieso dort den Giant's
Causway sehen wollen. Kurz vor 22:00 parken wir in der Innenstadt und gehen
einige Straßen auf der Suche nach einem Restaurant ab. Leider haben schon
alle Restaurants außer einem Nobelladen geschlossen, und so endet der Abend,
wie er enden muß: bei McDonald's mit Cheeseburger und Pommes, schlechter
Laune meinerseits und Regen.