Sonntag, 30.8.92, 15.Tag
Wilderness Walks: Von Carnmore über Letterewe Farm am Loch Maree zum
östlichen Ende des Sees.
- 8:00 Wir stehen auf. Die Mädchen sind schon kräftig am Packen
und wollen zeitig los. Zum Frühstück gibt's Kaffee und Müsli. Gegen 9:00
sind Uli und Maya mit Einpacken fertig, verabschieden sich und ziehen los in
den Regen Richtung Shenavall. Wir wünschen ihnen angesichts des Regens noch
viel Glück bei den Flußüberquerungen. Dann trödeln wir wie üblich etwas
rum, verbrennen ein paar nutzlos gewordene Tüten, packen unsere Sachen und
haben eigentlich wenig Lust, raus in den Regen zu gehen. Vor uns liegt eine
Etappe von mehr als zwanzig Kilometern bis Kinlochewe, die teilweise recht
ungemütlich sein soll. Die Mädchen hatten zehn Stunden für die Strecke in
Gegenrichtung gebraucht.
- 11:00 Wir ziehen los, eingehüllt in die Ponchos und fast trockene
Klamotten. Zunächst geht es um einen Hügel, dann über den schmalen Damm,
der Dubh Loch und Fionn Loch trennt. Auf der anderen Seite müssen wir
erstmal wieder einen Höhenzug erklimmen. Am Hang links vom Pfad geht eine
Familie Steinböcke spazieren, zwei große und drei kleinere Tiere. Leider
ist es ansonsten etwas dunstig, man kann die Aussicht gen Westen von gestern
nur erahnen.
Eine ganze Weile geht es wieder auf dem Höhenzug entlang, auf einem nicht
mal allzu schlammigen Pfad. Die Erosion ist gut am Wirken, ein kleiner Bach
hat sich metertief in den Boden geschnitten, Hänge sind abgerutscht,
Moorflächen liegen ohne Bewuchs frei.
Langsam beginnt der Abstieg. Loch Maree kommt in
Sicht, der See, an dessen anderem Ufer die Wanderung enden soll. Trotz
etwas dunstiger Luft sieht man einige Kilometer weit.
Der Pfad führt nun einen Abhang hinunter, überquert einen Wildbach und
erreicht ein Waldstück - wir haben Letterewe
erreicht. Hierbei handelt es sich um einige wenige Gebäude am Nordufer des
Loch Maree, um die ein paar Weiden liegen. Zu erreichen ist der Hof nur per
Boot, es gibt keine Straße oder Piste hierhin. Wir müssen weiter, Richtung
Osten am Nordufer entlang, um Kinlochewe zu ereichen. Claus' Schnürsenkel
sind schon wieder gerissen, er fädelt neue ein. Es ist etwas knifflig,
auszumachen, wo der Pfad nun weitergeht, wir müssen einige Male über Zäune
klettern und auf Geratewohl wieder Richtung See gehen, bis wir jenseits
von Letterewe wieder auf den Pfad treffen.
Um Letterewe herum gibt es tatsächlich Wald. Alte Eichen, Birken und
Kiefern, und viele Pilze am Boden. Außerdem viele Spuren von Wild. Doch
bald darauf läuft der Pfad am Hang entlang, zwischen Heidekraut und Farn,
voll von Pfützen oder großen Steinen. Wir laufen mal näher, mal weiter von
Loch Maree und seinen Inselchen weg am Ufer entlang. Die Ponchos entpuppen
sich als zu kurz, die über den Weg hängenden Farnwedel streifen das
Regenwasser an unseren Hosen ab. Das Wasser findet auch prompt den Weg
durch den Stiefelschaft in die sonst recht wasserdichten Wanderstiefel.
Alles in allem sind wir von den Oberschenkeln abwärts total durchnäßt. Dazu
regnet es von oben, und ab und zu bläst der Wind dazu.
Einige Kilometer weiter durchläuft der Pfad einen Birkenwald. Dort huscht
eine Gemse (oder ein ähnliches, dunkles, schafartiges Tier mit aufspiralten
Hörnern) ins Unterholz und flüchtet. Ein paar Bäume liegen auf dem Weg,
bald ist der Wald zuende und es geht weiter zwischen Farn und Heidekraut.
Gelegentlich müssen wir einen dank des Regens hochwasserführenden Bach
überqueren und die Steine dazu erst 'reinwerfen. Uns kommen noch zwei
Frauen entgegen, die irgendwo im Gelände einen Berg umrundet haben und etwas
weiter Richtung Letterewe zelten wollen.
- 17:00 Endlich schlängelt sich der Pfad den Hang hinunter zum Seeufer. Man
kann in der Ferne die Häuser von Kinlochewe erkennen. Doch es sind noch ein
paar Kilometer. Um 17:30 erreichen wir das südöstliche Ende des Loch Maree.
Das Ufer ist flach, von Schafen freigefressen, und wir beschließen, das Zelt
hier aufzuschlagen und morgen früh in den Ort zu gehen. Unser weiterer
Plan: einen Bus in Richtung Achnasheen erwischen und von dort per Zug
zurück nach Inverness zum Auto.
Wir bauen das Zelt auf, und sind dann auch fertig. Erstmal ruhen wir uns
eine Weile aus, und als wir dann überlegen, was man noch tun könnte, kommen
die Mücken. Was soll's, ab ins Zelt, zum Abendessen gibt es die letzte
Tafel Schokolade und eine Suppe. Die nassen Schuhe, Socken und Hosen werden
irgendwie im Zelt verteilt, dann schreiben wir ein paar Sachen auf,
überlegen, wie es nach morgen weitergehen soll, und schlafen ein.