Donnerstag, 27.8.92, 12.Tag
Wilderness Walks: Abschied von Ullapool
- 8:10 Aufstehen, Frühstücken. Beim Frühstück tauchen die Möven
auf und erbetteln sich etliche Brotstückchen. Lustig wird's, als wir ihnen
das letzte Brötchen hinwerfen, und sich ein Dutzend Vögel um das Futter
streitet. Danach bauen wir das Zelt ab, gehen in die Geschäftsstraße des
Ortes und kaufen einen Liter Spiritus sowie 1.75 Kilo Müsli und ein wenig
Süßkram nach. Inzwischen hat es auch wieder angefangen zu regnen.
Dann versuchen wir, rauszukriegen, wann das Boot des Hotels uns auf die
andere Seite der Bucht bringt. Nach mehreren Anrufen wissen wir, daß gegen
15:00 ein paar Gäste angeholt werden und wir für zwei Pfund pro Nase
mitdürfen.
Wir legen unsere Marschroute für die nächsten Tage
fest. Es soll erst nach Dundonell gehen, von dort aus in die Wildnis nach
Süden zur Shenavall-Hütte, dann weiter zur Carnmore-Hütte gehen und
schließlich in Kinlochewe am Loch Maree enden. Claus geht und meldet die
Route bei der Polizei, falls wir vermißt werden, und dann essen wir Fish and
Chips und verbringen den Rest der Zeit in der Ortsmitte. Die
Wettervorhersage im Radio meldet für das kommende Wochenende Dauerregen in
Nordwest-Schottland. Na prima.
- 15:00 Das Boot vom Hotel kommt rüber. Es ist recht
winzig, wir passen zusammen mit vier Hotelgästen und Gepäck gerade so drauf.
Es geht rüber über die Bucht, und hinterm Hotel eine Geröllpiste hoch bis
auf 230 Meter über dem Meer. Oben treffen wir auf die Straße von Badrallach
nach Dundonell und laufen an der Straße lang. Bis zur Hauptstraße von
Dundonell sind es locker zehn Kilometer, und es regnet. Die Schafe glotzen
uns ziemlich blöd an, und unter den Ponchos kommt man ganz schön ins
Schwitzen.
Irgendwann kommt ein Auto vorbei und hält an. Drin eine fünfköpfige
Familie, die uns anbietet, uns ein Stück mitzunehmen. Irgendwie scheinen
sie die Rucksäcke übersehen zu haben, denn als wir die Ponchos ausziehen und
die Rucksäcke absetzen, staunen sie doch etwas. Wir stopfen zwei Rucksäcke
in den Kofferraum, einen nehme ich auf den Schoß. So sind wir acht Leute,
drei Rucksäcke und ein bißchen Kleinkram in einem Auto. Die Familie (echte
Schotten) war Bergwandern und wurde auch ordentlich von Regen durchnäßt.
Sie setzen uns in Dundonell ab und fahren weiter.
Wir stellen dann fest, daß wir von der gefahrenen Strecke drei bis vier
Kilometer wieder zurücklaufen müssen bis zu der Stelle, von wo der Weg in
die Wildnis abgeht. Wir ziehen die Ponchos wieder über und marschieren im
Regen los.
Nach einer Weile erreichen wir die Roverpiste, die
uns in Richtung des An Teallach-Massivs bringen soll. Wir nehmen Abschied
von der Zivilisation und müssen erst mal mit Gepäck über ein Weidetor
klettern. Dann geht's entlang einem steinigen Weg, auf dem das Wasser
läuft. Rechts ein Bach, links ragt ein Hügel empor. Einige Kilometer
später machen wir eine Verschnaufpause und entdecken dabei einen recht
günstigen Zeltplatz, ein mit Gras und Birken bewachsener Hang rechts vom
Weg, nicht mal moorig. Wir schauen uns ein bißchen um, verjagen ein paar
Schafe und stellen im Regen dann das Zelt auf. Kurz darauf kommen die
Mücken, und wir beschließen, im Zelt zu verschwinden. Zum Abendessen gibt's
Kekse und Schokoriegel zu essen. Anschließend verteilen wir die nassen
Klamotten im Zelt und schlafen.