Mittwoch, 26.8.92, 11.Tag
Äußere Hebriden: Busfahrt von Tabert nach Stornoway; Überfahrt nach
Ullapool in Schottland
- 8:45 Es regnet. Wir stehen auf. Die Apsis ist voller Mücken,
draußen ist es feucht. Wir packen in Erwartung von Mückenscharen unsere
Sachen im Zelt soweit wie möglich zusammen. Dann wird, begleitet von einem
Regenschauer, das Zelt so schnell wie möglich abgebaut und wir laufen ins
Zentrum von Tabert zurück.
- 10:10 Im Ort gehen Claus und Chris erstmal je einen Scheck einlösen.
Dann kaufen wir bei einem Bäcker diverses zum Frühstück. Die beiden gehen
schon mal zur Bushaltestelle, der Bus soll um 11:30 fahren. Ich laufe noch
ein bißchem im Ort rum und mache ein paar Fotos. An der Kirche hängt ein
Schild mit dem Hinweis, daß die Gottesdienste mittags um zwölf in Gälisch,
abends um sechs in Englisch gehalten werden.
Als der Bus kommt, regnet es mal wieder. Bezahlen
sollen wir erst beim Aussteigen. Nun geht's eineinhalb Stunden mit dem Bus
über die Insel gen Norden, Ziel ist der Fährhafen Stornoway. Die Fahrt geht
bei Regen durch eine öde und konturlose Moorlandschaft, die voll mit großen
Geröllsteinen liegt und durch viele kleine Seen unterbrochen ist. Teile der
Landschaft sind vom Torfstechen zerfurcht. Die Häuser in den Dörfer haben
alle haufenweise Torfschollen zum Heizen im Garten stehen. Man kommt sich
schon ein bißchen vor wie am Ende der Welt.
- 13:00 Ankunft in Stornoway.
Überraschenderweise ist Stornoway kein Kuhkaff, sondern eine recht große
Stadt. Wir gehen zum Fährhafen, unsere Fähre ist schon da. Für 8.80 Pfund
kaufen wir Tickets nach Ullapool auf dem schottischen Festland, unserem
nächsten Ziel.
- 13:30 Die Fähre legt ab. Unterwegs
probieren wir die Kartoffelchipssorten durch, die auf der Fähre zu haben
sind. Die Chips mit Tomatenaroma und die, die nach Gemüsesuppe schmecken,
sind die seltsamsten. Aber nur gesalzen ist auch gewöhnungsbedürftig. Doch
die Geschmacksrichtungen sollten viel später noch unterboten werden.
- 17:00 Ankunft in Ullapool. Endlich wieder
richtige schottische Highlands um uns! Ullapool ist eine für
Highland-Maßstäbe große Stadt mit Fähr- und Fischereihafen und Industrie,
gelegen an einem Fjord namens Loch Broom. Auch der Tourismus kommt nicht zu
kurz, und nicht wenige Geschäfte der Stadt verkaufen Angel- und
Campingausrüstung.
Wir kaufen eine OS-Detailkarte (Sheet 19) im TI und erkundigen uns nach
der Fähre zur anderen Seite der Bucht, wo unsere längste Wanderung anfangen
soll. Wir erfahren, daß die Fähre das Passagierboot des Hotels auf der
anderen Seite der Bucht ist (das Hotel ist einziges Gebäude auf der anderen
Seite, zu erreichen nur im Geländefahrzeug).
Wir gehen dann zum Campingplatz, wo wir, umgeben von jungen Leuten aus
Deutschland und Frankreich, unser Zelt aufstellen. Der Platz liegt hübsch,
direkt an der Bucht, mit Seeblick. Er ist aus Schotter aufgeschüttet, mit
Rasen bepflanzt und nicht mal schlammig. Und das für ganze fünf Pfund.
Anschließend laufen wir in den Ort, um dort was zum Abendessen und zum
Frühstück zu kaufen. Doch kaum hat man im Laden die Auswahl, schon wird man
sich nicht einig, was man essen will. Jedenfalls endete es bei
Dosenfleischklößen und Nudeln, Brot, Kuchen und Käse. So zwischen halb acht
und neun Uhr kochen wir das Essen, dann verschwinden wir im Zelt. Keine
Mücken, kein Regen, nur Wind. Was für ein Tag!