Mittwoch, 9.9.92, 25.Tag
Zurück in Nordirland: Derry und der Giant's Causeway
- 7:30 Aufstehen, duschen, packen - der Bus zurück nach Donegal
muß auf jeden Fall erwischt werden.
- 8:45 Wir stehen an der Straße an der Bushaltestelle. Es regnet ein
wenig. Der Bus ist der einzige heute, der nach Donegal fährt. Gegen 9:00
kommt der Bus, es ist der Fahrer von vorgestern. Er düst in bekannter
Fahrweise nach Donegal. Dort kommt etwa eine Viertelstunde später der Bus
nach Derry. Wir kaufen noch eine Zeitung, geben die letzten irischen Münzen
für Schokoriegel aus, und fahren ab. Wir unterhalten uns mit einem
Deutschen aus der Nähe von Frankfurt, der ebenfalls nach Derry und von dort
dann nach Belfast will. Beim Überfahren der Grenze von Irland zu Nordirland
passieren wir Sperranlagen, die diejenigen an der ehemaligen Zonengrenze
weit übertreffen. Autos werden gefilzt, Gepäck durchsucht. Unser Bus fährt
durch, hält an einer Haltebucht an, ein einzelner Soldat mit
Maschinenpistole läuft einmal durch den Bus und schaut sich die Gesichter
der Passagiere an. Die sieben Rucksäcke auf der Rückbank würdigt er keines
Blickes.
- 13:00 Ankunft in Derry. Ähnlich wie in Belfast
patroullieren hier Panzerfahrzeuge, um wichtige Gebäude gilt Parkverbot.
Die Polizeistation ist abgeriegelt, man kann nur einzeln und im Schrittempo
daran vorbeifahren. Davor: schwerbewaffnete Polizisten, Betonsperren auf
der Straße, zwanzig Meter hohe Maschendrahtzäune gegen Wurfgeschosse. Der
nordirische Konflikt brodelt in Derry seit 400 Jahren, ein Konflikt zwischen
Protestanten und Katholiken, irischen und nordirischen Republikanern, Briten
und Separatisten und mittendrin die Polizei und die britische Armee.
Derry wird von einem Fluß in zwei Hälften geteilt. Auf einer Seite ist das
Katholikenviertel, welches sich selbst als 'Free Derry' bezeichnet. Da
Nordirland und vor allem die Protestanten dem protestantischen England
verbunden sind, dominieren auch heute noch die Protestanten, was sich im
Stadtbild widerspiegelt. Pro-IRA und Anti-England-Graffiti ist hie und da
zu sehen.
Inmitten der Stadt finden wir die Altstadt mit Stadtmauer und Burg, alles
recht gut renoviert. Darum eine Fußgängerzone mit vielen Geschäften. Wir
tauschen unsere irischen Pfundnoten in englische Pfund, dann kaufen wir Obst
und die obligatorischen Burger. Unser nächstes Ziel ist der Giant's
Causeway in der Nähe von Bushmills. Bis zur Abfahrt des Busses laufen wir
durch Derry.
- 15:45 Der Bus nach Coleraine fährt ab. Coleraine ist eine kleine Stadt
mit College, wir bekommen aber nicht viel davon zu sehen, weil bald nach der
Ankunft der Anschlußbus kommt.
- 17:05 Wir besteigen den Bus von Coleraine nach Portrush. Gegen 17:30
sind wir in Portrush am Busbahnhof. Portrush liegt am Meer und nur noch
acht Meilen vom Causeway entfernt.
- 18:05 Der Bus zum Causeway kommt. Keine zwanzig Minuten später sind
wir am 'Giant's Causeway Visitor Centre' - kurz
nachdem es für heute geschlossen hat. Wir laufen den Fußweg auf der
Klippenkante entlang, nach einem kurzen Wegstück führt ein befestigter Pfad
den Hang 'runter. Dann liegt er vor uns, vom Hang aus verschwindet er im
Meer: der Giant's Causeway. Die Legende erzählt, daß der Riese Finn McCool
sich eines Tages in eine Riesin auf der Hebrideninsel Staffa verliebte und,
um sie besuchen zu können, den Damm anlegte, indem er die Steinsäulen in den
Boden rammte.
Dabei handelt es sich um Basaltsäulen, die am Hangrand mehrere Meter weit
aus dem Boden ragen, eine neben der anderen, und auf einer Breite von über
dreißig Metern wie ein Damm ins Meer führen, rund hundert Meter weit, unterm
Wasserspiegel vielleicht noch weiter. In einem Prospekt steht, daß es rund
37000 Säulen sein sollen - ein beeindruckender Anblick, der praktisch den
gesamten Rest unserers Filmmaterials wert ist.
Natürlich ist es etwas stürmig, und das Meer läßt hohe Wellen gegen den
Damm klatschen. Wir machen noch jede Menge Fotos, solange das Licht es
zuläßt, und treten dann zusammen mit einem Dresdner Studenten gegen 20:30
den Rückweg an. Ich hätte ja lieber auf den Weiden über den Klippen
gezeltet, aber Claus und Chris wollten nicht und waren auch nicht zu
überreden. Also laufen wir die rund fünf Kilometer nach Bushmills, und von
dort noch einen Kilometer nach Portballintrae zum Campingplatz, um dort das
Zelt aufzuschlagen. Gegen 23:00 schlafen wir ein.