Montag, 7.9.92, 23.Tag
Von Doolin über Sligo nach Donegal und Carrick
- 7:10 Aufstehen, da wir den einzigen Bus um 8:40 nach Galway
kriegen müssen. Zum Frühstück gibt's Brot und Schokoladencreme. Als Claus
zum Abwasch in die Küche geht, findet er dort fünf oder sechs Leute vor,
deren Zelt wohl die Nacht nicht überlebt hat, und die es vorzogen, in der
Küche zu übernachten. Der Bus kommt um 8:40 und fährt tatsächlich ab
Campingplatz, wir hatten schon damit gerechnet, mit Rucksäcken bis zum
Hostel joggen zu müssen. Im Bus finden sich wieder viele Rucksacktouristen
ein, auch aus dem Hostel, natürlich auch Velbinger-Deutsche. Der Bus nimmt
wieder die bereits bekannte Strecke durch die gespenstischen Felsen des
Burren, und kommt um 10:45 in Galway an, wo wir auf den Bus nach Donegal
warten.
- 12:00 Abfahrt des Busses nach Donegal im Nordwesten Irlands. Die Fahrt
kostet ermäßigt 7.50 Pfund, ohne Ermäßigung dreizehn Pfund. Der Bus ist rege
mit deutschen Rucksacktouristen gefüllt. Die Landschaft ist eintöniges,
grünes Weideland.
Beim Zwischenhalt in Sligo versaue ich mir mein einziges langes Hemd mit
weißer Farbe an einer frisch gestrichenen Klotür. Auf Donegal zu fahren wir
am Meer entlang, es gibt Sandstrände, Klippen und Inselchen zu sehen,
allerdings in Sturm und Regen.
- 16:30 Ankunft in Donegal. Ein paar Hügel stehen
in der Landschaft, ein paar Meilen vor Donegal ragen einige Hügel steil in
die Höhe. Ein interessanter Anblick. Wir marschieren ins TI und kaufen
eine Karte von der Donegal Bay. Die irischen Karten sind im übrigen
schlechter und wesentlich ungenauer als die Detailkarten, die man in
Schottland in den TIs bekommt. Wir füllen die Feldflaschen mit Wasser, und
wir erkundigen uns nach dem Bus raus zur Slieve League, einem Berg, der in
einer 600 Meter hohen Klippe am Meer endet. Donegal ist ein recht kleiner
Ort, zwei Geschäftsstraßen, ein paar Wohnhäuser, voll vom Tourismus
abhängig. Aber immerhin Verkehrsknoten mit Verbindungen nach Derry, in die
restliche Provinz Donegal und nach Sligo, Galway und Dublin.
Claus kauft sich einen weiteren handgestrickten Wollpullover (für günstige
29.95 Pfund; der andere stammt aus Galway), dann gehen wir zur
Bushaltestelle, um auf den Bus zu warten. Inzwischen regnet es auch
kräftig.
- 18:15 Der Bus nach Carrick, dem nächsten Ort zur
Slieve League, fährt ab. Ich unterhalte mich mit ein paar Schweizern, im
Bus noch einige Rucksacktouristen. Der rothaarige Busfahrer ist gut 'drauf,
reißt eine Menge Sprüche und fährt wie eine Wildsau, ein echtes Original.
Vielleicht sollten wir im deutschen Öffentlichen Personennahverkehr mal
irischen Whiskey einführen...
Die Fahrt kostete als Rückfahrticket vier Pfund. In Carrick diskutieren
wir darüber, ob wir gleich das örtliche Hostel (das einzige himmelblaue
Gebäude im Ort) nehmen sollen oder irgendwo wild am Berg campen.
Schließlich gehen wir campen. Ein paar Kilometer die Bucht runter, etwas
den Hang hinauf auf dem Weg zur Slieve League begegnet uns ein älterer Herr
und empfiehlt uns, auf dem Berg vorsichtig zu sein, es wären auch diesen
Sommer wieder Leute abgestürzt. Wir kommen ins Gespräch, der Mann ist
Amerikaner mit irischen Vorfahren, hat Verwandtschaft in der Gegend und
kommt jedes Jahr ein paar Wochen her. Wir wittern eine gute Gelegenheit,
unsere Rucksäcke unterzustellen, während wir auf die Klippe wandern, und er
willigt ein, daß wir am nächsten Morgen die Rucksäcke bei ihm abstellen
können.
Gegen 21:00 haben wir einen geeigneten Zeltplatz in etwas windgeschützter
Lage gefunden (was nicht heißt, daß es nicht auch dort zugig war, aber
immerhin keine Böen). Wir kochen noch was zu Essen, und legen uns
schlafen.
Die ganze Nacht durch bläst der Wind und es regnet in Schauern.