Sonntag, 6.9.92, 22.Tag
Die Cliffs of Moher
- 1:30 Ein paar Leute kehren recht lautstark aus dem Ort zurück und
fangen im Nebenzelt an, Gitarre zu spielen und laut und falsch zu singen.
Kurz bevor ich mich dazu entschließe, ihnen ein paar Häringe 'rauszuziehen,
hören sie auf. Nun hört man nur noch den Sturm.
- 7:00 Es regnet und stürmt.
- 8:00 Es stürmt und regnet.
- 9:00 Es ist windig und verregnet.
- 12:00 Es hat aufgehört, zu regnen. Wir trauen uns aus dem Zelt. Claus
und ich gehen am Felsstrrand entlang, zerfurchte, von der Brandung
geschliffene Kalkplatten. Es wehen ziemlich kräftige Windböen und jagen
große Wellen ans Ufer. Man kann über die kleine Bucht die
Cliffs of Moher
sehen, die sich von hier bis zum Horizont erstrecken.
- 13:00 Wir lassen unsere Sachen im Zelt, und ziehen, nur mit Kamera und
Feldflasche bewaffnet, los in Richtung Klippen. In einem Geschäft werden
noch ein paar Schokoriegel erworben, dann laufen wir die Straße zu den
Klippen entlang, nehmen einen davon abgehenden Feldweg, und laufen an einem
Weidezaun entlang, rechts die Felsen und das Meer, links der Zaun und
dazwischen nicht selten weniger als ein halber Meter. Noch sind die Klippen
nur schräg abfallend und nicht so arg hoch, und ausgewaschene Höhlen bohren
sich in den Fels. Ich rutsche auf dem nassen Stein aus und schlage mit das
Knie auf, neben den Mückenstichen zum Glück meine einzige Verletzung während
der gesamten Ferien.
Ein Stück weiter geht es steil bergauf, und von da an fallen die Klippen
zwischen 50 und 100 Meter senkrecht ab ins Meer. Viele Seevögel nisten auf
kleinen Felsvorsprüngen, unten tosen die Wellen gegen die Felsen, oben
schubst uns der Wind an der Kante 'rum. Eine tolle Aussicht präsentiert
sich von hier oben - senkrechte Klippen stürzen ins Meer.
Gegen 15:00 machen wir eine kleine Rast, direkt am Klippenrand, und dösen
etwas in der minutenweise scheinenden Sonne. Hier oben ist es genauso
windig wie auf dem Campingplatz.
Claus spaziert noch ein Stück weiter die Klippen entlang, Christian folgt
ihm wenig später; ich bleibe sitzen und schaue die Klippen 'runter. In der
Ferne kann man im Trüben die Aran-Inseln erahnen.
- 16:00 Claus und Christian kommen wieder zurück, mit einem Paar aus
Augsburg im Schlepptau. Sie fahren nach dem Irland-Velbinger, vielleicht
sollten wir da mal reinschauen...?
Im Ort kaufen wir noch ein paar Sachen ein, und am Zelt (mittlerweile
stürmt es bedrohlich stark) kochen wir Nudeln, Reis und Suppe.
Einige Windböen schaffen es tatsächlich, die Zeltkuppel gegen die Biegung
der vier (!) Stangen zusammenzudrücken, aber zum Glück ohne Schäden. Wir
ziehen die Abspannschnüre so straff wie es nur geht, die Böen reißen kräftig
am Zelt, aber es hält.
So gegen 20:30 liegen wir im Zelt. Die ganze Nacht durch stürmt es
kräftig, und Regen peitscht im Schauern auf's Zelt.