Freitag, 4.9.92, 20.Tag
Dublin, Trinity College und Fernbus nach Galway
- 3:30 Jemand schließt die Tür auf, benutzt die Toilette und
verläßt das Zimmer recht geräuschvoll dann wieder. Allerdings sind wir alle
drei nun wieder wach (und sauer).
- 3:45 Jemand versucht eine ganze Weile erfolglos, die Tür
aufzuschließen, was in Anbetracht der Plastikkarten, die als Schlüssel
dienen und die man nur in einen Schlitz stecken muß, eigentlich nicht so
schwer ist. Mir langt's nach einer halben Minute, ich springe aus dem
Etagenbett und reiße die Tür auf. Davor steht ein ziemlich verdutztes
blondes Mädchen, welches gerade noch in der Lage ist, mit 'Yes' auf die
Frage zu antworten, ob sie Bates sei, dann ins Bett fällt und einschläft.
Jaja, irisches Bier und irischer Whiskey... jetzt bin ich jedenfalls
wieder richtig wach, und schlafe auch erst eine Stunde später wieder
ein.
- 8:30 Wir stehen allmählich auf. Leider gibt es nur bis halb zehn das
im Preis inbegriffene Frühstück, sonst hätten wir wohl länger gepennt.
Unsere Mitbewohnerin, bleich wie eine Leiche und immer noch ziemlich
sprachunfähig, verzichtet auf's Frühstück. Wir duschen noch schnell, dann
gehen wir 'runter in den Speisesaal. Leider ist das Geschirr gerade alle,
und die beiden Angestellten waschen lieber erst alle hundert schmutzigen
Teller als reihum Teller, Besteck und Tassen. Was uns nach kürzester Zeit
dazu veranlasst, die Frühstückssachen einfach auf einem Tablett zu stapeln,
ein paar Toasts zu rösten und auch fast ohne Geschirr zurechtzukommen. Zu
essen gibt es Toasts, Butter, Marmelade, Tee und O-Saft. Das ist also das
'Continental Breakfast' aus der Broschüre.
Um halb zehn wird man recht rüde darauf aufmerksam gemacht, daß die Küche
schließt: das Licht im Speisesaal wird abgeschaltet, und man wird alle paar
Minuten dran erinnert, daß man das Geschirr abliefern soll.
Wir gehen hoch, die Rucksäcke packen. Bates liegt immer noch in ihrem Bett
und ist fix und feritg.
Gegen 10:15 geben wir unsere Schlüsselkarte ab und verlassen das Hostel.
Unser nächstes Ziel: Galway an der Westküste Irlands. Auf dem Weg zum
Busbahnhof nehmen wir noch das Trinity-College mit, die berühmte Universität
in Dublin. Es scheinen in der hübschen alten Anlage allerdings mehr
Touristen als Studenten unterwegs zu sein. Auffällig ist die Auslage im
Students Union Shop: hier werden am katholischen College Kondome
verkauft.
Der Zug nach Galway soll 24 Pfund kosten, der Bus bloß neun Pfund. Mit der
Ermäßigung kostet der Bus 6.50 Pfund - wir werden also den Bus nehmen. Um
12:30 ist Abfahrt, vorher gehen Claus und Chris noch etwas Geld abheben, wir
kaufen Getränke und Süßkram, dann kommt der Bus.
- 12:30 Abfahrt des Expreßbusses nach Galway.
Die irische Busgesellschaft betreibt eine Vielzahl von Fernbussen, mit denen
man an jedes Ende der Insel kommt. Unser Bus fährt los, auf der Autobahn
mit mindestens 120km/h, später über Landstraße durch ödes Grünland, durch
Steinmauern und Zäune in Weideflächen für Rinder und Schafe geteilt.
Stunden später kommt Meer in Sicht, wir erreichen Galway gegen 16:30.
Galway ist eine kleinere Stadt, aber Hauptstadt des
westlichen Teils von Irland. Hier gibt es ein paar Einkaufsstraßen, ein
im Vergleich zur Saarbrücker Saargalerie geschmackvoll eingerichtetes
Einkaufszentrum, einen Hafen, der für Fischerei und zum Anliefern von Benzin
für Westirland genutzt wird. Sogar ein College gibt es hier. Und im Park
im Stadtzentrum steht eine Stahlplastik, die unserem Serra auf dem
Saarbrücker Campus alle Ehre machen würde, aber es ist kein echter Serra,
und einen Grünen Punkt hat sie auch nicht.
Wir gehen ins TI, kaufen eine Karte der Galway-Bay und erkundigen uns nach
dem nächsten Campingplatz. Dieser liegt drei Kilometer außerhalb, und gegen
19:40 soll ein Bus in die Richtung fahren (Tip: man erreicht ihn in einer
halben Stunde auch zu Fuß: runter zum Hafen, die Hauptstraße am Meer
entlang, dann aus der Stadt raus Richtung Krankenhaus/Sportplatz, dort
'runter zum Meer). Wir nutzen die übrige Zeit zum Stadtbummel, kaufen
Lebensmittel, werfen uns etwas Fast-Food 'rein und schicken noch ein paar
Postkarten ab.
- 19:40 Der Bus Richtung Campingplatz fährt ab. Der Platz liegt direkt
am Meer, mit Blick auf Galway und den Hafen in einiger Entfernung. Ein paar
Zelte und Caravans sind da. Wir stellen das Zelt direkt neben die
Begrenzungshecke zwischen zwei andere Zelte. Das Nebenzelt rechterhand
gehört zwei Studentinnen aus Thüringen, die per Interrail unterwegs sind und
auch zwei Wochen in Schottland waren und nun zwei Wochen in Irland
verbringen. Ansonsten sind noch Bonner, ein paar Mountainbiker und sogar
Franzosen da. Wir kochen endlich mal wieder selber, es gibt Reis mit
Tütensoße, aber immerhin Cola statt Wasser zum Trinken. Es gibt noch einen
recht netten Sonnenuntergang zu sehen, und Claus und ich gehen noch zum
Strand 'raus. Gegen 22:30 legen wir uns schlafen - endlich wieder im
Schlafsack.