Donnerstag, 3.9.92, 19.Tag
Von Dundalk nach Dublin
- 8:00 Aufstehen, jeder duscht ausgiebig - schließlich zahl man nicht
jeden Tag zwölf Pfund für die Übernachtung.
- 9:15 Wir bekommen das Frühstück serviert, typisch englisches Bacon
& Eggs Frühstück mit Toast und Cornflakes, Tee und Milch.
- 10:30 Wir marschieren los, die dreieinhalb Meilen zurück ins Zentrum
von Dundalk. Dort lösen wir Euroschecks ein, kaufen Getränke und eine
Irlandkarte, beim TI hole ich ein Verzeichnis von Jugenherbergen und
'Independent Hostels' sowie Busfahrpläne. Claus schreibt noch eine
Postkarte an die Bekanntschaft. Um 13:30 wollen wir den nächsten Expressbus
nach Dublin nehmen. Bis dahin sitzen wir an einer Brunnenanlage vor'm TI,
ich durchstöbere die Broschüren, Claus und Christian schreiben Tagebuch.
- 13:30 Wir nehmen den Bus nach Dublin (kostet sechs Pfund). Es fahren
jede Menge Schüler mit. Die Fahrt geht durch langweilige,
landwirtschaftlich genutzte, kaum abwechslungsreiche Landschaft. Einzig
fällt auf, daß sämtliche Straßenschilder und Ortsbezeichnungen zuerst in
Gälisch, dann in Englisch auf Schildern stehen. So heißt Dublin
beispielsweise Baile Ata Cliath.
- 16:00 Der Bus erreicht Dublin-City. Dublin macht
etwas weniger den Eindruck einer Industriestadt als Belfast. Dafür regnet
es, als wir den Busbahnhof verlassen. Zunächst wollen wir eine Unterkunft
für die Nacht finden, da es im Zentrum Dublins keine Campingplätze gibt.
Wir steuern ein Hostel an, das ist aber ausgebucht. So wenden wir uns ans
TI, die gegen die Gebühr von einem Pfund ein Zimmer in Kinley's Hostel in
der Nähe des Trinity College vermitteln. Das Zimmer kostet 10.50 Pfund pro
Nase, die Unterkunft liegt dafür aber schön zentral. Auf dem Weg zum Hostel
kommen wir zufällig noch an dem Reisebüro vorbei, welches die
'Travel-Save-Stamp' für Studenten verkauft. Dabei handelt es sich um eine
Art Briefmarke, die man für sieben Pfund kaufen kann und die in Verbindung mit
dem internationalen Studentenausweis für Bahnfahrten 50 Prozent und
Busfahrten bis zu 40 Prozent Rabatt bringt. Da wir ab sofort fast nur noch
mit Fernbussen reisten, hat sich die Marke gelohnt.
- 18:10 Im Hostel beziehen wir unser Zimmer. Es ist ein Vierbettzimmer,
ein Bett bleibt frei. Dusche und Toilette sind vorhanden. Wir bieten an,
das vierte Bett zu belegen, falls jemand vorbeikommt, der unbedingt eine
Unterkunft braucht, hängen ein paar feuchte Klamotten über die Betten und
gehen in die Stadt.
Natürlich wird es eine Tour-de-Fastfood, kein Wunder bei den vielen Ketten,
die in Dublin City um Kunden buhlen. Später kommen wir zufällig durchs
Künstlerviertel, und Chris und ich trinken noch ein Guinness in einer Kneipe
(das Guinness-Bier wird in Dublin gebraut). Natürlich treffen wir auch in
dieser kleinen, randvollen Kneipe Deutsche.
Als wir gegen Mitternacht ins Zimmer zurückkommen, finden wir einen
Rucksack und eine Namenskarte auf dem vierten Bett. 'Bates' steht 'drauf,
sonst nix. Es findet sich noch eine Bürste mit dünnen, langen, blonden
Haaren auf der Fensterbank, die nicht zu uns gehört. Na, dann sind wir mal
auf unsere MitbewohnerIn gespannt. Nach Inspektion des Aufenthalts- und
Fernsehzimmers, in dem pausenlos MTV läuft (man scheint sich immer auf das
niedrigste gemeinsame Niveau zu einigen), gehen wir zum Schlafen in unser
Zimmer.
Das Einschlafen gestaltet sich als nicht so einfach, zum einen, weil vor
dem Hostel eine der Hauptstraßen verläuft, zum anderen, weil die Betten zu
weich und zu kurz sind. So nach eineinhalb Stunden dürfte ich endlich
eingeschlafen sein.