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Der GR 20

Der GR 20 ist Korsikas berühmtester Wanderweg. Er durchquert die Insel auf einer Strecke von 173km von Nordwesten nach Südosten; wer ihn geht, muß sich 9900m hoch und wieder runterschaffen. Trainierte Bergwanderer schaffen das in 82 Stunden, aber der Rekord liegt bei etwa 43 Stunden! Ein gesunder, körperlich einigermaßen fitter Alltagsmensch braucht dafür schon so 15-20 Tage.

Ein Geheimtip ist dieser Weg nicht gerade; zeitweise gibt es sogar Staus! Aber die meiste Zeit geht man schon für sich allein, begegnet vielleicht alle Stunde mal einer Gruppe.

Für die Rätselrater: was GR 20 bedeutet, steht am Ende dieses Kapitels. Hinweis: eigentlich müßte es "Die GR 20" heißen.


Übernachtung

Es gibt im Tagesabstand Hütten (Refuges), die großenteils vom
Parc Naturel Régional de la Corse PNRC gebaut wurden und unterhalten werden. Sie bieten Matratzenlager (Schlafsack mitbringen), Trinkwasser, Gaskocher und Klo (Klopapier mitbringen!), mitunter auch Freiluftdusche für 40 FF pro Nacht und Nase. Wer nur das Gas benutzen will, zahlt 10 FF. Wasser, Klo und Dusche sind auch für Nicht-Übernachter natürlich kostenlos. Bei den Hütten kann man (meist kostenlos) biwakieren und campieren, und zur Hochsaison ist das auch nötig, denn dann sind die im Schnitt 25-30 "Betten" schnell belegt. Bewirtschaftung gibt es normalerweise nicht, alles Futter muß man mitbringen. Während der Sommermonate befindet sich auf den Hütten ein Gardien, meist mit Hüttenhund.

Isomatte und Biwaksack sind aber das mindeste, was man sicherheitshalber mitnehmen sollte. Immer wieder fallen Hütten den Flammen zum Opfer oder sind schlicht zum Bersten voll, und dann ist es gut, wenn man auf eine Übernachtung im Freien eingerichtet ist. Auch ein leichtes Zelt statt der Biwaksäcke ist kein Luxus. Bergerien (Schäfereien) bieten keine Übernachtungsmöglichkeit; auch zelten und biwakieren ist dort normalerweise nicht drin.

Auf jeden Fall genug Geld mitnehmen, man kriegt unterwegs keines nach!


Wegmarkierungen

Der GR 20 ist durchgehend gut markiert, und zwar mit waagerecht übereinander angeordnetem weißem und rotem Balken. Über die Reihenfolge sind sich die Markierer nicht ganz einig, weiß über rot überwiegt aber. Stellen, an denen der Weg die Richtung ändert, haben Doppelmarkierungen, Zubringerwege einfarbige Markierungen.

Oft finden sich kleine Steinpyramiden, die das Auffinden des richtigen Wegs sehr erleichtern. Der freundliche Wanderer tut das Seine zur Erhaltung.

Aber obwohl der Weg gut markiert ist, gehört die Karte unbedingt ins Gepäck, denn verlaufen hat man sich schnell einmal, leicht gerät man auf einen der vielen Zubringerwege.


Wasserversorgung

Auf allen Hütten gibt es Wasser, auf den meisten Etappen gibt es unterwegs
Quellen. Aber im Sommer kommt es schon mal vor, daß die ein oder andere versiegt ist, deshalb sollte man immer genug von dem kostbaren Zeug mit sich rumschleppen. Wie wichtig es ist, merkt man erst, wenn man mal keines hat. Entgegenkommende fragen, wie es mit Wasser auf den folgenden Etappen aussieht!


Verpflegung

Ist so eine Sache für sich. Insbesondere im Norden ist es mitunter nötig, in Dörfer abzusteigen, um sich zu verpflegen. Im Süden ist der Nachschub alle 2-3 Tage gesichert. Auf jeden Fall genug Schokolade (dicht verpacken, sie schmilzt!) und ähnliches mitnehmen, das ist ein guter Energiespender für den Bedarfsfall. Reis ist auch recht effizient und schmackhaft, und Nudeln und Flockenpüree sind willkommene Abwechselungen dazu, allerdings kriegt man unterwegs nirgends Tütensoßen! Die sollte man tunlichst von zuhause mitnehmen, wenn man das Zeug nicht trocken runterschlingen will. Suppen gehören ebenfalls ins Gepäck; man kriegt sie aber auch nach.

Für das Frühstück ist Müsli mit Milch aus (Voll-!)Milchpulver nicht schlecht; lieber was mit vielen Kalorien nehmen. Zumindest im Süden kriegt man auch Zwieback und Weißbrot zu kaufen.

Auf den Bergerien kriegt man mitunter Käse, Wurst und Brot zu kaufen, aber darauf verlassen kann man sich nicht.

Wo es überall Futter gibt, steht im Velbinger. Wer sichergehen will, fragt entgegenkommende Wanderer.


Und was zum Geier heißt GR 20?

GR heißt "Grande Randonnée", übersetzt etwa "Große Wanderung". Und 20 ist die ehemalige Nummer des ehemaligen Départements Corse.

Von diesen Wegen gibt es in Frankreich noch mehr, aber der GR 20 ist sicher einer der härtesten und anstrengendsten davon.

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