Einen weitereren Heiligen Krieg kann man darüber führen, ob und welche Art von Kocher man mitnehmen soll. Auf den Hütten (Refuges) der Wanderwege stehen Gaskocher für jedermanns Benutzung zur Verfügung, ebenso wie ein wenig Geschirr (aber nicht genug); man kann jedoch einiges an Geld und Ärger sparen, wenn man einen eigenen Kocher hat (die Gasbenutzung in den Hütten kostet 10 FF), und wer sich nicht nur auf solchen Hütten aufhält und sich statt aus teueren Restaurants auch aus dem Supermarkt ernähren will, kommt nicht umhin, einen Kocher mitzunehmen.
Welchen Brennstoff man nimmt, ist Geschmacksache. An der Küste kriegt man alles zu kaufen, nur im Landesinnern ist das Einzige, was es sicher gibt, die Bleuet 206-Kartusche von Camping-Gaz. Brennspiritus ist nur in Orten zu kriegen, die einen Supermarkt haben, allerdings ist das Zeug leicht und kompakt, und deshalb ist es unproblematisch, genug davon mitzunehmen. Ich benutze Brennspiritus aus Überzeugung, denn ich halte ihn für den umweltfreundlichsten aller Brennstoffe, und außerdem läuft mein Lieblingskocher damit. Der Brennspiritus gehört unbedingt in eine Spritflasche aus Aluminium (z.B. Sigg), denn die Verkaufsverpackungen sind nicht immer ganz dicht, und Alkohol quetscht sich (mit seiner geringen Adhäsion) durch die kleinsten Ritzen.
Womit wir konkret beim Kocher wären. Im Gegensatz zu manch anderem Reiseziel braucht man in Korsika nicht unbedingt auf Windfestigkeit zu achten; es gibt im Bedarfsfall genügend rumliegendes Zeugs, um sich einen Windschutz zu basteln. Ein einfacher Gaskocher mit 206er Kartuschen tut gute Dienste, und die meisten nehmen auch einen solchen mit. Wir hatten einen Trangia Sturmkocher aus Aluminium; er enthält zwei Töpfe und einen Kessel nebst einem Spiritus-Brenner, einer Greifzange und einem stabilen Windschutz, der gleichzeitig als Topfständer dient. Ein Deckel, der sich als Bratpfanne gut eignet, ist ebenfalls dabei, und das ganze wiegt etwa 1350g, hat einen Durchmesser von etwa 22cm und eine Höhe von etwa 11cm. Das Teil war schon bei anderen Touren dabei und hat uns auch auf dieser Fahrt gute Dienste geleistet. Von der Kochleistung her ist er dem normalen 206er Gaskocher nicht unterlegen, und bei Wind schlägt er jeden normalen Gaskocher um Längen. Leider ist er mit etwa 100 DM nicht ganz billig; allerdings hat man dann grad alles im Set, was man sowieso braucht.
Wir haben von zuhause aus 1l Spiritus mitgenommen und sind damit (auch ohne die Gasbenutzung in den Hütten) auf der halben Strecke des GR 20 gut zurechtgekommen. Wer den ganzen Weg am Stück gehen will, sollte möglichst oft die Gaskocher der Hütten in Anspruch nehmen, dann reicht der Liter auch für den ganzen Weg.
Was in anderen Gegenden wesentlich ist, nämlich ein wasserfestes Feuerzeug (z.B. mit Piezo-Zünder), ist in Korsika nicht so wichtig. Man sollte allerdings mehrere Feuerzeuge über die ganze Ausrüstung verteilen, denn nur dann ist sichergestellt, daß man immer eines findet und bei Verlust noch welche hat.
Wer sich von der Zivilisation entfernt, sollte an eine gut
ausgerüstete Reiseapotheke denken, und das nötigste sollte man auch
sonst haben. Der Inhalt unseres Medizinbeutels war dieser:
sowie alle Packungsbeilagen. Sinnvoll wäre noch gewesen: Medikament
gegen Halsschmerzen, Erste-Hilfe-Fibel, spezielle Fußpflaster. Wer -
aus welchen Gründen auch immer - weitere Medikamente braucht, sollte
diese in ausreichender Menge mitnehmen, dann gibt es vor Ort keine
Probleme mit der Beschaffung. Am wichtigsten ist aber, daß Du auch
mit den mitgenommenen Sachen umgehen kannst, denn sonst nützen sie nichts!
Leicht vergessen kann man Korkenzieher und Dosenöffner! Wer sowas am Taschenmesser hat, sollte vorher sicherstellen, daß man damit auch eine Flasche/Dose aufkriegt.
Von existenzieller Wichtigkeit ist Klopapier. Nicht zu wenig mitnehmen, das Zeugs kann man für alles mögliche gebrauchen, und außerdem kriegt man einzelne Rollen nicht nach. Unbedingt wasserdicht verpacken! Auf Campingplätzen und Berghütten findet man in Korsika in der Regel keines, das muß man schon selbst mitbringen.
Wer selbst kocht, sollte unbedingt an Gewürze denken! Tee und Vitamin-Brausetabletten sorgen dafür, daß Geschmack ins Wasser kommt.
Selbstverständlich geht eine Kamera mit. Es muß nicht unbedingt eine schwere Spiegelreflex sein, aber eine Pocket ist auch nicht das Richtige. Motto: gut aber leicht. Diafilme sind das Richtige für einen solchen Urlaub, 100 ASA tun's; auf jeden Fall von zuhause mitbringen, die sind auf Korsika sehr teuer! Eine Ersatzbatterie für die Kamera sollte man haben.
Wie schon gesagt, in Korsika regnet es im Sommer eher selten. Dennoch sollte man an leichten Regenschutz denken; eine leichte Regenjacke reicht völlig. Ich hatte von anderen Touren her noch einen Regenponcho, der bei Bedarf sogar über den Rucksack paßt (böse Zungen behaupten, das Ding wäre ein Zelt ohne Gestänge; auch Worte wie "Ganzkörper-Kondom" fallen); sowas ist nicht ganz billig und für Korsika nicht nötig. Ein Schirm ist nur was für Hotel-Touristen. Leute, die den nördlichen Teil des GR 20 gegangen sind, haben uns von einem recht ordentlichen Regenguß während eines Gewitters erzählt; wir haben unseren Regenschutz jedenfalls nicht gebraucht. Nicht nur wegen der besseren Wasserfestigkeit, sondern auch der Ordnung halber empfiehlt es sich, alles im Rucksack nochmal in Plastiktüten zu verpacken, was irgendwie rumfliegen könnte oder Wasser übelnimmt.
Zum Thema Schlafsack: Wer sich nur an der Küste aufhält, braucht im
Sommer keinen; eine Decke genügt vollkommen. Wer allerdings ins
Gebirge vorstoßen will, kann dort mit recht kalten Nächten rechnen
(8°C ist nicht ungewöhnlich; es wird auch noch kälter), und hier ist
ein guter Schlafsack unentbehrlich, erst recht, wenn man nicht in den
Hütten schläft. Mal abgesehen davon, daß sich Kunstfaser-Schlafsäcke
sowieso immer mehr durchsetzen, bieten sie den Vorteil, daß sie
wasserunempfindlicher sind als Daunensäcke; allerdings bleibt der
Daunensack in Packmaß und Gewicht ungeschlagen. In Korsika fährt man
mit beidem gut. Ich habe einen Daunensack, Thomas und Markus
Kunstfaser, und beides hat sich bewährt; allerdings muß der
Daunensack wie überall regensicher verstaut werden, was aber auch für
den Kunstfasersack zu empfehlen ist.
Was das Schuhwerk betrifft: wer wandern will, braucht Wanderschuhe. Mit Turnschuhen geht man den GR 20 und andere Wanderwege nicht. Ob es unbedingt die schweren Alpentreter sein müssen oder ob es ein leichter Outdoor-Schuh auch tut? Da es in Korsika selten regnet, ist Wasserdichtigkeit nicht gerade ein wichtiges Kriterium, und wenn der Outdoor-Schuh einem genügend Halt bietet, also eine gut profilierte Sohle hat und den Knöchel umfaßt, dann tut er's. Thomas trug einen solchen Schuh und ist gut damit zurechtgekommen, wenn auch der Schuh nicht ganz so gut davongekommen ist; er zeigte doch danach deutliche Abnutzungsspuren. Markus und ich haben Bergwanderschuhe; ich einen mit Goretex-Leder-Obermaterial, er einen Goretex-Schuh, der sogar steigeisenfähig ist. Im Sommer fährt man mit beidem gut; auf der nördlichen Etappe des GR 20 braucht man im Winter und im Frühjahr Steigeisen. Für die Küste braucht man Sandalen, und wenn man nur dort ist, vielleicht noch Halbschuhe oder Turnschuhe. Thomas und ich hatten je ein Paar Sandalen dabei und konnten sie gut gebrauchen; Markus' Badeschlappen waren manchmal aber auch nützlich, allerdings kann man damit kaum länger rumlaufen.
Wer durchs Gebirge wandern will, kann es sich überlegen, ob er Teleskop-Wanderstöcke mitschleppt. Nützlich sind sie auf jeden Fall, aber teuer und nicht federleicht sind sie auch. Wer sowas schon hat, sollte sie einpacken. Wir hatten keine, und es ging auch so.
An Kleidung braucht man im Sommer nicht allzu viel. Eine Jeans ist so
ziemlich das Nutzloseste, was man mitnehmen kann: zu schwer, zu warm
und saugt sich voll Wasser und gibt es nicht mehr her. An den meisten
Tagen reicht eine kurze Hose (Typ Bermuda-Short, zwei mitnehmen), und
für den Abend bzw. den Morgen im Gebirge reicht eine leichte
Stoffhose. Kalt ist es im Sommer höchstens nachts, und da liegt man ja
im Schlafsack. Je nach Geschmack noch drei oder vier T-Shirts dazu,
ein paar Unterhosen, ein paar (klein geschrieben!) Socken
(wer wandert: zwei Paar Wanderstrümpfe, gut z.B. die alten Bw-Strümpfe),
und fertig. Im Gebirge ist für den Morgen und den Abend ein langärmeliges T-Shirt
prima, außerdem gehört eine leichte aber warme Jacke oder ein
Pullover ins
Gepäck. Auch wer sich in der Zivilisation an der Küste aufhält, braucht
nicht allzu viele T-Shirts, denn die halbe Zeit hält man es sowieso mit
T-Shirt nicht aus. Übrigens kann man die nach einer Wandertour im Gebirge
nur noch wegschmeißen, es müssen also keine Krokodile drauf sein, aber weiß
sollten sie auch nicht sein. Dunkel ist gut, braun oder blau am besten,
da sieht man den Dreck nicht so. Badehose nicht vergessen! Obwohl es
auf Korsika auch FKK-Strände gibt und man sie an etlichen Stellen im
Landesinnern und an der Westküste mangels Publikum auch nicht braucht.
Wenn also eine der Shorts zufällig schwimmtauglich sein sollte, ist
das eine gute Lösung.
Naß rasieren oder trocken? Auf Fahrt eigentlich kein Thema, denn
Strom gibt es nicht überall, und der Elektrorasierer verliert in
Sachen Gewicht ganz klar gegen den leichten, nassen Konkurrenten.
Der billige Rasierer mit den wechselbaren Klingenköpfen ist goldrichtig.
Die Rasiercreme o.ö. gehört zur Gruppenausrüstung; sich ohne zu
rasieren kann leicht zur Tortur werden.
In Korsika nicht ganz unwichtig ist die Sonnenmilch, insbesondere für hellhäutige Typen. Welchen Lichtschutzfaktor man wählt, hängt stark von der eigenen Empfindlichkeit ab und von dem, was man im Urlaub machen will. Im Gebirge reicht für Normalhäuter 8, Empfindliche kommen mit 12 gut zurecht. Wer aber den ganzen Tag in der Sonne brät, sollte eventuell etwas höher greifen, wenigstens am Anfang. Den Sonnenschutz kann man auch zum Gemeinschaftsgepäck tun; wir sind drei verschieden empfindliche Hauttypen und hatten jeder unseren eigenen. Wer wandert, sollte vor allem den Nacken und die Schultern gut eincremen (ja, auch wenn man den ganzen Tag im T-Shirt rumläuft!), und aufpassen, daß die Füße keinen Sonnenbrand kriegen. Das klingt vielleicht komisch, aber wenn man sie mal für eine Stunde "auspackt", haben sie schnell was weg, denn sie sind Sonne nicht gewöhnt.
Ein Handtuch - nicht zu groß, nicht zu klein - und ein Waschlappen sind nützliche Dinge. Insbesondere das Handtuch leidet auf einer solchen Tour, also nicht Mamas bestes Stück mitnehmen.
Brillenträger sollten an ein Brillenputztuch denken! Der Fettfilm geht mit Spülmittel, Wasser und Klopapier am besten runter, aber für zwischendurch ist ein Putztuch gut. Einen kleinen Schraubenzieher für die Brillenbügel dabeizuhaben, kann mitunter sehr hilfreich sein.
Ein ganz wichtiges Utensil für Wanderer ist der Sonnenhut. Eine helle Farbe strahlt die Wärme gut zurück, ein Stoffteil läßt sich leichter feucht halten als ein Strohhut. Was den Nacken bedeckt, ist extra gut geeignet, ansonsten muß man da besonders sorgfältig chemisch vorbeugen. Man kann auch ein Tuch (Taschentuch) mit Sicherheitsnadeln hinten an der Hutkrempe befestigen.
Die Taschenlampe gehört auch zur wichtigen Ausstattung. Generell gilt für Rucksackler: je kleiner und leichter, desto besser, aber robust, hell und möglichst wasserfest (in Korsika nicht so wichtig) sollte das Teil auch sein. Einen guten Kompromiss stellen die Alu-Leuchtstäbe für zwei Mignonzellen Typ Maglite AA oder Nachbau dar. Batterien sollte man nur soviele mitschleppen, wie man wirklich braucht; erfahrungsgemäß reichen für 14 Tage Urlaub zwei Batteriesätze dicke, und wenn man nicht verschwenderisch damit umgeht oder in der Gruppe noch mehr Taschenlampen da sind, reicht ein Batteriesatz. Man nehme Batterien mit einem guten Energie-pro-Kilogramm-Verhältnis, also nicht unbedingt die billigsten! Besonders wichtig: eine Ersatzbirne.
Unentbehrlich ist natürlich das Eßwerkzeug. Ein Feldbesteck der Bundeswehr ist zwar teuer und schwer, aber auch sehr funktionell; eine Gabel, ein Löffel und ein Messer aus der Besteckschublade, zusammen mit einem Gummi, tun es aber auch. Dazu noch einen (tiefen) Plastik- oder Aluteller und eine Plastiktasse (wer eine gute Blechtasse hat, die nicht nach Rost schmeckt wie meine, kann die natürlich auch nehmen), und fertig ist die Nahkampftasche.
Ob man nun ein Fahrtenmesser oder so was Hirschfänger-mäßiges braucht, hängt stark vom eigenen Messerfetischismus ab. Ich denke, es ist nicht verkehrt, wenigstens ein Messer in der Gruppe zu haben, daß auch was schneidet. Bei der harten korsischen Salami kann das lebenswichtig sein.
Eine Trinkflasche (oder zwei) braucht der Wanderer natürlich auch.
Hier gibt es seit einiger Zeit eine gute und sehr viel billigere
Alternative zur beschichteten Aluflasche: die PET-Mehrweg-Flasche.
Ehrlich, die Dinger sind hervorragend geeignet! Welches Gesamtvolumen
man braucht, hängt vom eigenen Bedarf ab; mit 2 Litern kommt man
zurecht, aber mehr schadet nicht.
Papier und Stifte, nicht nur für den Reisebericht im Usenet. Man muß immer mal wieder was notieren, zum Beispiel Abfahrtszeiten.
Wer gern liest, sollte ein Buch mitnehmen. Das nimmt zwar Platz weg
und wiegt was, aber das tun all die anderen unnötigen Sachen, die man
so dabei hat, auch. Es ist schon ein Unterschied, ob man beim Warten
auf den Zug Löcher in die Wand starrt oder nicht.
Der Profi nimmt noch etwas Schnur (dünn, leicht und fest, zum Beispiel eine gute Drachenschnur) für eine Wäscheleine und Notschnürsenkel mit, außerdem ein paar Wäscheklammern.
Weitere Einzelheiten finden sich in Anhang I.