Heute ist Waschtag, sowohl für mich als auch meine Kleidung. In der Nähe gibt es eine kleine Felsvertiefung, in der sich das Wasser eines kleinen Bachs etwas staut (für nach uns kommende: immer den Hinweisen "poubelle" nach...). Zum Trinken würde ich es nicht unbedingt nehmen, aber zum Waschen taugt es allemal. Ich verwende dazu einen Topf vom Trangia und etwas Neutralseife, die Thomas unter dem Namen "Outdoor-Seife" zu echten Outdoor-Preisen erstanden hat. Erstaunlicherweise geht der Mief sogar aus den Klamotten raus, ebenso der gröbste Dreck; von "sauber" kann man allerdings nicht sprechen, aber wen interessiert das schon inmitten von sehr viel Nichts?
Wir machen uns auf den Weg zurück zu dem Halsabschneider (eigentlich sind es mehrere in einer Art Schichtbetrieb) am Fluß und frühstücken dort, was recht teuer aber nicht nur meiner Ansicht nach einem Müslifrühstück vorzuziehen ist.
Anschließend gehen wir das, was auf der Karte aussieht wie 4km mit 300Hm Anstieg, davon ein gutes Stück auf einem Bergrücken. Wir kommen zuerst durch eine Gegend, die unserem heimischen Wald zum Verwechseln ähnlich sieht, ebenso wie eine saftige Wiese, auf der Rindviecher und sogar Blumen stehen und die auch in Irland sein könnte!
Wo Wasser ist, gibt es jede Menge Grünzeug ...
... Ansonsten gibt es vor allem viele Steine
Und dann: peng, wieder in den Alpen. Unsere ebene Strecke auf dem Bergrücken entpuppt sich als die Tour der sieben 1800er. Der Weg läßt keinen Gipfel aus, und für die vielleicht 1,5km brauchen wir locker zwei Stunden. Die Strecke muß alpin genannt werden: man muß stellenweise klettern, und ein Kreuz weist unmißverständlich darauf hin, daß es nicht ganz so einfach ist, denn hier hat es vor ein paar Jahren einen Landsmann von uns gekostet. Einige Passagen sind so eng, daß wir mit unseren Rucksäcken echte Probleme kriegen, und mitunter muß man irgendwie 1,5m nach unten, wobei das "unten" eine schiefe Ebene ist.
Dennoch, gegen 16.30 langen wir in drei Stücken (zu je einem Menschen mit Rucksack) auf der Usciolu Hütte in 1750m Höhe an; wir campen etwas unterhalb davon. Gleich nach der Ankunft wird verdientermaßen geduscht; was braucht der Naturfreak dazu mehr als Wasser und Sonne? Die "Dusche" ist ein Bretterverhau, der nach drei Seiten hin abgeschlossen ist, nur nicht zu den etwa zehn Zelten im unteren Bereich des Campingplatzes; das erste ist etwa zehn Meter entfernt, und um diese Zeit herrscht reger Betrieb. Für die Dusche muß man zeitweise sogar anstehen, und es ist schon lustig weil ungewohnt, hier Männlein und Weiblein in trauter Eintracht wie von Gott geschaffen in einer Schlange stehen zu sehen. In einem Andrangsloch kommt dann unser Auftritt: das Wasser ist so kalt, daß man eh nicht drunter stehen bleibt, also macht sich einer naß, der andere seift sich ein, der dritte wartet auf seine "time slice". Alles in allem ein echtes und nasses Vergnügen, an dessen Ende wir uns sauber und erfrischt fühlen.
Nach uns macht doch tatsächlich ein junger Mann (etwa in unserem Alter) - zur allgemeinen Erheiterung - die Nummer mit der Badehose! Seine Verrenkungen, die dazu dienen, sich überall zu waschen, aber nichts zu exponieren, wirken wie ein Augenmagnet, zumal er eine knallrote Badehose trägt. Sicher hätte ohne dieses Leuchtsignal niemand hingeschaut; das hat er nun von seiner Genierlichkeit.
Die Freiluft-Wasseraktivitäten und der beschwerliche Weg haben uns hungrig gemacht; wir werfen den Kocher an, und natürlich gibt es Reis, diesmal in Ermangelung von Soßen mit Spargelcreme-Suppe, was sogar erstaunlich gut schmeckt. Allerdings kann man unsere diesbezügliche Objektivität durchaus in Zweifel ziehen, denn mit Hunger im Bauch schmeckt so ziemlich alles.
Der Gardien der Usciolu-Hütte bietet gekühlte Getränke an: Limo/Cola/Bier (Kronenbourg) 0,2/0,25l für 13 FF. Eine Pulle roter Landwein (ohne Etikett, 750ml) kostet 25 FF; wir genehmigen uns je ein Bier (oder besser das, was die Franzosen als Bier bezeichnen) und eine Flasche Wein. Seine Wurst für 50 FF kann er behalten; das ist mehr als der dreifache Ladenpreis!
Hier treffen wir die Radio-Gruppe wieder; weiß der Geier, wo die die letzte Nacht verbracht haben. Mittlerweile grüßen wir uns schon nur noch mit Handzeichen.
Nachts kommt Sturm auf, und ehe wir es merken, ist das Zelt voll Staub, denn der Platz um uns herum liegt voll davon. Schlimmeres verhindern wir dadurch, daß wir die Schotten dicht machen. Die Nacht ist laut und kalt; der eisige Wind heult etwas, und der gegen das Zelt prasselnde gröbere Sand sorgt für den gleichen akustischen Eindruck, den ein Regen machen würde.