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6. Tag

Wir stehen gegen 06.15 auf, kämpfen eine Weile gegen die Faulheit, bauen das Zelt ab und frühstücken. Das Gegenteil davon ist schon schwieriger, weil im weiten Umkreis überall Zelte und Schlafsäcke mit Inhalt rumliegen, aber mit etwas Geduld und etwas Wagemut ist es zu schaffen. Während wir am Packen sind und gerade noch die letzten paar Sachen in die Rucksäcke stopfen, kreuzen zwei Gendarme auf. Sie stehen am ersten Zelt, reden mit den (desinteressierten) Zeltinsassen und scheinen etwas zu schreiben. Weil Polizisten nichts umsonst schreiben, leiten wir den beschleunigten Rückzug ein; mittlerweile ist es 08.15, und es ist zu verstehen, daß um diese Zeit niemand mehr an diesem Ausflugsziel rumliegen sollte, der die Andacht des Ortes stören könnte. Die gleichen Gendarmen haben uns sogar nachher an einem Kiosk freundlich gegrüßt; wir haben uns scheinbar mit unserem frühen Abmarsch an ungeschriebene Regeln gehalten.

Am Dorfbrunnen ergänzen wir unsere Wasservorräte. Ein weiterer Besuch in dem kleinen Laden macht klar, daß es hier keinen Brennspiritus zu kaufen gibt; nicht, daß uns der schon ausgegangen wäre, die Suche danach ist rein informeller Natur, denn auf solche kleinen Läden werden wir noch öfter treffen.

Hier noch einmal Col de Bavella in Kurzform: in der Auberge Übernachtung mit Frühstück für 160 FF. Im Laden kostet eine 1,5l-Flasche Limo/Cola/sonstwas 15 FF und ist gekühlt; auch ansonsten gibt es in dem Laden eine Menge Eß- und Trinkbares. Beim Wildcampen an der Kapelle sollte man sich einen etwas von der Straße entfernten Platz suchen und bis 08.00 verschwinden. Der Brunnen im Ort liefert gutes Trinkwasser. Busse fahren 1x am Tag Richtung Porto Vecchio (abends um 18.30) und Ajaccio (morgens um 08.00).

sowas... keine Bildchen... Unser Weg heute

xxx tja... Wasser, soviel, daß es sogar im Weg ist

So gegen 09.00 nehmen wir die heutige Etappe in Angriff. Der Weg geht vom Col de Bavella aus erst mal so 200Hm bergab und erweist sich als recht beschwerlich, da recht grobes Geröll einen dazu zwingt, große Stufen (bis Kniehöhe) zu nehmen. Dann allerdings beginnt der Weg, sehr langsam und sehr viel glatter anzusteigen, und erfreulicherweise (erfreulich trotz unserer großen Vorräte) finden wir alle paar hundert Meter Wasser, das man gut trinken kann. Wir nehmen es vor allem zum Befeuchten unserer Kopfbedeckungen, denn die Sonne beginnt allmählich mit der alltäglichen Marter. Bis 12.00 steigen wir, nun deutlich steiler, bis auf etwa 1250m bergan, wo wir im Schatten einiger Bäume erst einmal Siesta halten, bis die gröbste Mittagshitze vorbei ist.

Wir erreichen die Bergerie (Schäferei) d'Asinao gegen 17.00; sie ist verlassen. Insgeheim hatten wir gehofft, hier Käse kaufen zu können, aber dafür ist es wohl schon ein bißchen spät im Jahr. Wir steigen gleich noch die 100Hm zur Refuge d'Asinao hinauf, wo wir die heutige Etappe beenden. Gute Zeltplätze sind keine mehr frei; wir beschließen, einmal das Übernachtungsangebot einer Refuge auszuprobieren. Eine solche Refuge hat neben den Räumlichkeiten des Gardien zwei gar nicht allzu große Räume, von denen der eine ein Aufenthaltsraum mit Tischen, Bänken und Gaskochern und der andere ein zweistöckiges Matratzenlager ist. Die Übernachtung samt Gasbenutzung kostet 40 FF. Diese auf 1540m liegende Hütte bietet im Bedarfsfall (also an fast allen Tagen zur Hochsaison im Sommer) bis zu 35 Personen Platz. Sie gleicht fast aufs Haar der Paliri-Hütte.

Pech gehabt! Refuge d'Asinao

Der Weg von Col de Bavella zur Refuge d'Asinao war nicht gerade leicht, aber wir haben ihn uns durch unsere Unwissenheit auch unnötig schwer gemacht: wir schleppten mehr als 8 Liter Wasser in der Gegend herum, dabei gab's das am Weg wirklich reichlich. 1 Liter pro Person hätte sicherlich ausgereicht, aber gebranntes Kind scheut halt das Feuer.

Gegen Abend kreuzt doch tatsächlich jemand mit dem idealen Transportmittel auf: zwei Eseln. Vermutlich versorgt er den Gardien, der übrigens so ziemlich alle Sprachen zu sprechen scheint: Deutsch und Englisch sind neben Französisch, Italienisch und Korsisch die Sprachen, in denen ich ihn innerhalb kurzer Zeit reden höre (na ja, zumindest für "hallo" hat es gereicht).

Hier treffen wir zum ersten mal auf eine Gruppe, die uns noch längere Zeit auf den Fersen bleiben wird. Sie besteht aus einem (wie uns scheint) französischen Paar, einem weiteren männlichen Begleiter (mit blondem Haar und Gitarre) sowie einem älteren, dunkelhaarigen und einem jüngeren, blonden Mädchen. Die Mädchen sprechen untereinander ein schauderhaft schnelles und undeutliches Englisch; auch mit dem Blonden unterhalten sie sich meist auf Englisch. Zusätzlich können sie aber auch noch recht gut Französisch.

Wenn an dieser Gruppe etwas auffällig ist, dann daß das blonde Mädchen schier ohne Pause am Quasseln ist. Außerdem ist es eine feine Sache, jemanden (nämlich den Blonden) Gitarre spielen zu hören; es verleiht dem Hüttenleben ein wenig Romantik.

Daß die Hüttenschlaferei nicht das Gelbe vom Ei ist, habe ich mir schon vorher ausgerechnet, denn bei mehr als 30 Leuten in einem Raum dreht sich spätestens alle Minute jemand um, und rein statistisch sind garantiert drei Schnarcher dabei. Schon nach etwa einer halben Stunde auf dem überfüllten Matratzenlager, auf dem man sich kaum rühren kann, finde ich meine Befürchtungen bestätigt: es raschelt in einem fort, und geschnarcht wird a capella. Irgendwann muß ich dann aber doch eingeschlafen sein.

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