Mitunter ist der Weg etwas steinig
Dennoch ist der Weg sehr hart: wir steigen von 550m (Gumpen) auf etwa 1100m, wieder ab auf 900m (steil!) und dann auf 1060m (Paliri-Hütte), und als wir gegen 12.00 dort ankommen, bin ich ein Wrack. Das Wasser hat gerade so eben gereicht, um den ärgsten Durst zu stillen. Unterwegs gab es zwar eine gekennzeichnete Quelle, doch war diese leider schon dem fortgeschrittenen Sommer erlegen.
Obwohl ich in den letzen 48h (gemessen am Energieverbrauch) nur wenig gegessen habe und vor Erschöpfung fast umfalle, kann ich nichts essen; der Versuch, mir einen Schokoriegel einzuverleiben, scheitert kläglich.
Wir kommen dann also doch irgendwie zur Paliri-Hütte, wo schon circa 15 Personen rumlungern. Ich lasse meinen Rucksack fallen, schnappe mir meinen Trinkbecher samt einer Wasserflasche und falle 50m den Weg zur Quelle hinunter, wo ich mich erstmal darunterlege und mich vollaufen lasse. Ca. 2l verleibe ich mir sofort ein und etwa 1l in Schlucken von etwa 100ml innerhalb von Minuten. Gut, daß es bei dieser Hütte (wie bei allen, die wir noch besuchen) Wasser reichlich und in guter Qualität gibt.
Aus meinem Quasi-Koma erwacht, sehe ich, daß es bei dieser Refuge sogar Klo und Dusche, ja elektrisches Licht (Solarzellen und Akkus) gibt!
Richtig wieder zu Kräften komme ich allerdings erst wieder, nachdem ich mich über Instant-Tee, Instant-Tee mit Milch und konzentrierten Instant-Tee mit Milch bis zu drei Tellern Spargelcremesuppe vorgekämpft habe; der Magen mußte buchstäblich an die Nahrungsaufnahme gewöhnt werden. Das alles klingt vielleicht sehr dramatisch; sicher war die Situation nicht gefährlich, aber doch recht unangenehm.
Diese Roßkur nehmen die Verdauungsorgane denn auch nach kurzer Zeit übel und quittieren sie mit Dünnschiß. Die aufgesuchte Toilette hat mich (für den Ort, an dem wir hier sind) angenehm überrascht: Typ Französisch (also ein Loch im Boden), mit allerdings defekter Wasserspülung, einem Wasserhahn und einem roten Plastikeimer. Die Gebrauchsanleitung hängt an der Tür, aber man kommt auch leicht selber drauf.
Zu der Sitzgruppe, auf der wir uns kurz nach unserer Ankunft niedergelassen haben, kommt der Gardien (Hüttenwart) und fragt, ob wir eine Kuh gesehen haben. Haben wir nicht. Aber hier gibt es sehr viele sehr muntere Eidechsen, die die Tageshitze offenkundig besser vertragen als wir. Wir vertreiben uns die Zeit mit Schlafen, Schreiben (ich) und Skatspielen, und gegen Abend gehen Markus und ich duschen. Es handelt sich um einen Bretterverhau mit einem Schlauch, und zusammen mit dem eiskalten Wasser, das da rauskommt, ist das eine wirklich urige Sache.
Erst jetzt merke ich, daß meine Edelstahl-Tasse Rost angesetzt hat. Weil ich es genau wissen will, fülle ich sie mit heißem Salzwasser und lasse sie eine Weile stehen. Das Wasser wird braun, und ich schleppe die Tasse bloß noch mit, um sie den Leuten im Laden, wo ich sie gekauft habe, zu zeigen.
Während wir zu abend essen, kommt eine junge Frau vorbei und kassiert die Platz- und Gasnutzungsgebühr von 10 FF. Später am Abend sitzen wir mit einem Paar aus Nürnberg zusammen, daß die Tour von Nord nach Süd gemacht hat, und köpfen die Flasche Muscat, die Thomas im Schweiße seines Angesichts und zu unserer jetzigen Freude hochgeschleppt hat. So erfahren wir den neuesten Hüttentratsch, d.h. was sich alles gegenüber dem Velbinger (den sie natürlich auch haben) geändert hat. Die Nacht ist dann, wie nicht anders zu erwarten, kurz und ereignislos.