Unsere Fähre beim Entladen im Hafen von Bastia
Bastia ist mit etwa 50.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Korsikas. Vom ganzen Ambiente her ist diese Stadt eher italienisch als korsisch, nicht nur von der Architektur her, auch die Betriebsamkeit ist für die Insel untypisch.
Wenn man mit dem Schiff anlegt, landet man gleich am großen Place St. Nicolas, eine große Freifläche mit Bäumen, Bänken, Denkmal und was so dazugehört. Hier gibt es auch gleich die Informationen vom Syndicat d'Initiative, das ist das, was man in englischsprachigen Ländern mit "Tourist Information" bezeichnet. Wir holen uns dort einen Busfahrplan, dem wir entnehmen, daß unser Bus die Ostküste entlang schon um 08.30 geht. Wir beschließen, auf den um 16.00 zu warten, und besorgen zuerst mal ein Frühstück, das wir natürlich auf selbigem Platz im Schatten einer Palme einnehmen. Danach bummeln wir über den Boulevard Paoli, die Lebensader Bastias, wo wir uns Wanderkarten besorgen. Wir besuchen den Justizpalast, die Kirche Ste. Marie (sehenswert, aber schwer zu finden), die Zitadelle (der Bereich, der nichts kostet).
Bastia von der Zitadelle aus gesehen
Wenn man durch die Altstadt Bastias läuft, verliert die Stadt viel von dem putzigen Aussehen, das sie vom Schiff aus hat. Kaum ein Haus hat intakten Putz, dafür hängen an den Außenwänden jede Menge Kabel und Rohre. Auch der Verkehr kann sich mit jeder Festlandsstadt messen; kein Wunder, denn auf 10 Korsen kommen 7 Autos, und die anderen haben Mopeds und Roller. Wenn dann noch die Touristen mit ihren Benzinkutschen einfallen, wird's halt etwas eng auf den Straßen.
Bastia hat eine funktionierende Infrastruktur mit vielen Geschäften, Telefonzellen an jeder Ecke und sogar zwei Supermärkten in der Innenstadt, was es als Ausgangspunkt für Touren ins Landesinnere empfiehlt.
Einige Zeit verbringen wir auch am Alten Hafen, wo wir im Schatten liegen (es ist Mittag, und da hält man auf Korsika "Siesta", denn es ist sowieso alles geschlossen und viel zu heiß, um etwas zu unternehmen) und zeitweise die Füße ins Wasser baumeln lassen. Am Place St. Nicolas setzen wir uns in ein Straßencafé; eine Flasche Mineralwasser (900ml, mit 3 Gläsern) kostet uns stolze 30 FF, ist dafür aber das erste kühle Getränk seit zwei Tagen.
Wir gehen zum Busbahnhof, das heißt zur Rechtsabbiegespur gegenüber dem Postamt. Die Fahrkarten gibt's auch gleich dort; die Fahrt nach Favone (an der Ostküste, nördlich von Porto Veccio) kostet 90 FF und findet in einem nagelneuen Kässbohrer-Bus statt. Der Fahrer startet Autoradio und Motor (in der Reihenfolge), und nach einigen Minuten Fahrt passiert es, die zwei Monitore treten in Akton: vor unseren Augen und unseren Ohren (und das nicht zu knapp) quietschen Reifen und fliegen die Autos samt Fetzen und Kugeln. Innerhalb von 10 Minuten hat es schon ein halbes Dutzend Leute gekostet. Der Streifen, der uns da die Busfahrt-Romantik zerstört, heißt "L'Opération Corned Beef", ein Film mit deutschem Bösewicht, erkennbar an seinen Gedichten.
Während der Fahrt sieht man auf der rechten Seite die Berge (beziehungsweise die küstennahen flachen Hügelchen; die im Landesinnern sind doch noch etwas höher), mit Macchia bewachsen. Links sieht man während der ganzen Fahrt Badestrand, und immer wieder Badestrand. Wer nach Korsika will zum Baden und Braten, der fährt am besten zur Ostküste.
Irgendwann hat der Fahrer ein Einsehen. Er stellt zunächst den Ton leiser, irgendwann ganz ab, und dann ist es mit dem Buskino ganz vorbei; wer jetzt wissen will, wie es weitergeht, muß halt in die Videothek.
An einem Bistro legen wir 10 Minuten Fahrpause ein. Als ich den Bus kurz verlasse, merke ich, daß die Klimaanlage des Reisebusses fantastisch funktioniert: die Hitze trifft einen wie ein Hammerschlag, man meint, gegen eine Wand zu laufen. Draußen stehen Fahrgäste und befriedigen sich selbst pulmonal; um nichts in der Welt würde ich die kühle Luft im Bus gegen heißen Rauch aus Kippen tauschen.
Plötzlich muß unser Bus merklich bremsen, weil ein Auto sich aus einer Einfahrt zu weit vorwagt. Unser Fahrer umfährt das Hindernis, steigt aus und redet dem Autofahrer mal gründlich ins Gewissen.
In Favone angekommen, gehen wir zum Campingplatz, wo wir nach einigem Suchen einen freien Platz auftreiben. Wir "latzen" uns (wenn man bei einer 4-5-Portionen Miracòli-Packung für 3 Leute davon überhaupt sprechen kann) - die erste warme Mahlzeit seit zwei Tagen. Danach köpfen wir eine Flasche Wein (Muscat Doux - ein korsischer Weißwein mit immerhin 15 vol %), der so schmeckt wie irischer Whiskey - und auch so zuschlägt. Der Geschmack ist etwas streng, aber man gewöhnt sich dran, und dann läuft er runter wie Öl (30 FF die 750ml-Flasche).
Um 21.00 ist es dunkel, was vor allem daran liegt, daß wir uns hier doch schon etwas näher am Äquator befinden, wo die Dämmerung naturgemäß kürzer ist. Dennoch, Hygiene muß sein. Wir tappen zum Sanitärblock, wo ich auf diesem staubigen Campingplatz doch tatsächlich einen Laubfrosch und einen Gelbrandkäfer finde, ein Tier, das nicht laufen, sondern nur schwimmen kann! Wie auch immer der dort hingekommen sein mag...
Nachts mache ich kaum ein Auge zu. Am Anfang ist es in dem eher kleinen Zelt so heiß, daß ich es nicht mal im T-Shirt aushalte, geschweige denn im Schlafsack. Bis 02.00 kühlt es dann aber soweit ab, daß ich mich in den offenen Schlafsack legen kann, und irgendwann so gegen 03.00 muß ich dann doch eingeschlafen sein.