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16. Tag

Bevor wir zum Bus gehen, um wieder nach Calvi zurückzufahren, suchen wir noch die örtliche, in einem Hinterhof gelegene Metzgerei auf. Hier im ländlichen Gebiet gibt es die korsische Charcuterie in guter Qualität zu vernünftigen Preisen, und zwei Würste sollen uns als Mitbringsel für die Lieben zuhause dienen. Die Salami ist so beschaffen, daß wir uns um die Haltbarkeit keine Sorgen machen müssen: sie hängt im Laden an der Decke und ist also einiges gewöhnt. Hier schreiben die Leute aus dem Ort noch beim Metzger an; nur die Touristen zahlen in bar. Thomas hebt auf der örtlichen Post noch etwas Geld von seinem Postsparbuch ab.

Punkt 10.00 kommt unser Bus, und ein anderer, wieder nicht angeschnallter Fahrer bringt uns - vor jeder Kurve hupend - nach Calvi, wo wir die in unserem bisherigen Programm noch fehlende Zitadellenbesichtigung nachholen und diverse Besorgungen erledigen. Dabei kaufe ich mir ein T-Shirt (angeblich XL, sitzt aber wie M, und dabei mag ich XXL, weil's so schön luftig ist), weil ich auf der Heimfahrt gerne was anziehen will, was nicht nach Büffel riecht (99 FF, wirklich schön, meine Schwester wird's mir sicher abknöpfen), und Thomas kauft eine Limonade mit Minzgeschmack, und diese entpuppt sich als die erste Flüssigkeit in diesem Urlaub, die niemand trinken will. So wie niemand gerne den Mundinhalt nach dem Zähneputzen statt ihn auszuspucken runterschluckt.

Um 14.35 geht unser Zug nach L'Ile Rousse, und wir haben tatsächlich das Glück, wieder auf unseren Lieblingsschaffner zu treffen und können das Schauspiel wieder genießen. Während der Fahrt bekommen wir wieder eine Lehrstunde in "Wie stecke ich mit möglichst geringem Aufwand Korsika in Brand?": Eine Gruppe von Italienern qualmt (entgegen der neuen Doktrin, die Rauchen in Nahverkehrsmitteln ganz verbietet, was aber niemanden wirklich interessiert) und wirft die noch brennenden Kippen in trockendes Gestrüpp. Keiner schert sich drum.

:-) Unser Berufshektiker

Die verschlossene Tür, vor der wir stehen

In L'Ile Rousse angekommen, beschließen wir, uns erst einmal um unsere Fährtickets zu bemühen, denn wir wollen morgen früh mit der Fähre nach Nizza (Nice) übersetzen. Dazu laufen wir etwa einen Kilometer zum Kai mit den Büros der SNCM, um dort an der Hintertür einen handgeschriebenen Zettel zu finden, daß es die Tickets in einer Reiseagentur am anderen Ende der Stadt gibt! (Erinnert Dich das nicht auch an den Anhalter durch die Galaxis?) Schon übel gelaunt geht's dort hin, wo sich auch schon andere eingefunden haben, jedenfalls stehen wir gut eine halbe Stunde in der Schlange, was vor allem daran liegt, daß vor uns jemand nicht bloß Tickets kauft, sondern sich noch den (idiotensicheren) Fahrplan auseinanderschrauben läßt. Als wir endlich an der Reihe sind, werden wir auch noch abgeneppt: wir kriegen nur Tickets mit Zuschlag für Komfort-Sitze (1. Klasse) mit der Begründung, daß die anderen Plätze schon alle weg sind. Und das bei einer Überfahrt, die bei Tag stattfindet und bei der wir sowieso nach Möglichkeit die ganze Zeit an Deck sind und bei der sich sowieso jeder auf den Platz setzt, der ihm paßt! Leider fehlen uns vor Ärger und aus Mangel an Sprachkenntnissen die Worte, und wir fügen uns in unser Schicksal und zahlen die 37 FF supplément (Zuschlag) zum Fährpreis von 199 FF (für junge Leute).

Der Hafen von L'Ile Rousse

L'Ile Rousse ist übrigens eine Touristenstadt mit 2500 Einwohnern und einem Verkehr, der jeder Großstadt alle Ehre machen würde. Auf unserem Weg zum Campingplatz treffen wir auf eine Kreuzung, auf der ein Polizist mit maximaler Effizienz beharrlich den Verkehr stört und dabei höchst nervenbelastend dauernd auf einer Trillerpfeife rumbläst. Zwei Kollegen knöpfen sich zwei Kids auf einem Motorroller vor, und nach dem Gesichtsausdruck zu schließen war's für sie eine teure Erfahrung. Die beiden Flics suchen sich bald neue Opfer (da sind ja noch die vielen Falschparker...), und wir gehen irgendwann aufgrund von Atemnot (in Deutschland hätte es bei solcher Luft Smogalarm gegeben) unserer Wege, die uns nach einiger Zeit zu einem guten Campingplatz namens "Les Oliviers" führen.

Wir erklären dem Menschen am Schalter, daß er, um morgen Geld von uns zu kriegen, schon früh aufstehen muß, denn unsere Fähre geht um 08.00, und wir gehen spätestens um 06.30 los. Das veranlaßt ihn dazu, zu unserer Freude von den üblichen Gepflogenheiten mit einem hinterlegten Dokument und dem Kassieren bei der Abreise Abstand zu nehmen; wir zahlen gleich und hinterlegen nichts.

Man kann diesen Campingplatz kaum genug loben, erst recht, wenn man vom "Camping Idéal" kommt: die sanitären Anlagen sind zahlreich, sauber und funktionell, das warme Wasser wird per Sonnenkollektor geheizt, und teurer als "Idéal" oder "International" ist der Platz nicht, ganz im Gegenteil, denn hier zahlen wir keine Kurtaxe.

Trotzdem, auch der beste Platz hat seine Nachteile: man kommt sich bis nach 23.00 vor wie auf dem Mittelstreifen der Autobahn. Es ist kaum zu glauben, für wieviele Menschen es lebensnotwendig ist, daß ihr fahrbarer Untersatz direkt neben ihrem Zelt die Nacht verbringt, natürlich auf ebenem, weichem Boden.

Sonnenuntergang am Hafen

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