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14. Tag

Wir werden von einem - noch stundenlang anhaltenden - monotonen Sprechgesang in französischer Sprache (vermute ich), verquickt mit einigen Rhythmusgeräten aus einem Autoradio geweckt und wachgehalten und fragen uns, ob wir, wenn wir höflich fragen, das Singsang-Gelaber gegen zeternde Italiener eintauschen können, aber die liegen noch im Koma. Es wird geduscht, was gleich wieder zu einem garstigen Erlebnis wird, denn das warme Wasser reicht bloß für eine Minute, die Türen schließen nicht richtig (nicht daß wir uns genieren, es zieht bloß unangenehm), es gibt keine Ablagemöglichkeiten. Die anschließende Benutzung der Waschbecken ist ebenfalls fast unmöglich: die Wasserhähne sind etwa einen halben Meter über den Becken angebracht, haben wahnsinnig Druck, werden über Druckknöpfe bedient und haben eine Nachlaufzeit von weniger als einer Sekunde. Dafür hängen die Spiegel so tief, daß man sieht, ob man den Reißverschluß der Hose aufstehen hat, aber vom Gesicht sieht man nichts.

Selbst die übelsten Fährnisse können uns nicht davon abhalten, gegen 11.00 am Strand anzulangen, wo wir, ausgestattet mit kühlen Getränken, die nächsten drei Stunden zubringen.

Um 15.00 schlägt dann die Stunde des Abschieds. Markus trennt sich von uns und bleibt in Calvi, von wo aus er heute abend mit der Fähre nach Nizza (Nice) fahren wird, um von dort aus per Zug über Marseille zurück nach Saarbrücken zu kommen. Thomas und ich (und das meine ich ab jetzt mit "wir") fahren mit einem von einem Reisebüro organisierten kleinen Bus für 35 FF nach Galéria; wir sind die einzigen Fahrgäste, und der Fahrer ist nicht angeschnallt. Außerdem fährt der Bus mit 15 Minuten Verspätung, was aber zu unserem Vorteil war, denn sonst hätten wir ihn nicht gekriegt.

Nach einer halben Stunde sind wir am Ziel unserer Träume. Galéria ist ein verschlafenes Nest mit etwa 300 Einwohnern, an der Westküste zwischen den Klippen gelegen. Auf Tourismus sind die Leute allerdings eingerichtet: es gibt Hotels, einen Campingplatz, eine Post (die auch Bank spielt), zwei Epicerien, diverse andere Läden und sogar - einen Supermarkt, der jeden Tag (auch sonntags) von 08.00 bis 20.00 geöffnet ist!

Wir gehen direkt zum Strand, es ist ein Kiesstrand, was uns aber sehr recht ist, denn feinen Sand hat man spätestens nach einem Tag überall in der Ausrüstung, und dort gehört er nicht hin, weil er keine Miete zahlt. Mit Kies gibt es dieses Problem nicht, und man geht und liegt fast genausogut darauf. Außerdem ist an Kiesstränden das Wasser klarer, weshalb Taucher solchen Stellen gerne den Vorzug geben.

Galéria

Im Gegensatz zum Strand von Calvi ist es hier nicht so heiß, und das Wasser ist doch tatsächlich noch erfrischend! Man kann zwar nicht behaupten, daß wir hier am Strand die Einzigen wären, aber von Betrieb kann man nicht reden.

Wir lassen uns auf dem örtlichen "Camping Idéal" nieder, der zwar nicht so ideal ist wie sein Name, aber zumindest die Stellflächen für Zelte sind schattig und gut. Was sich dadurch etwas ändert, daß sich ein Pärchen aus Rottweil/Deutschland neben uns einquartiert und sich den ganzen Abend lang einen Spaß daraus macht, spätestens alle paar Minuten die Welt von ihrem Glück wissen zu lassen in Form von Kreischen, Lachen und ähnlichen Lautäußerungen (muß ich deutlicher werden?). Um 01.00 wird meine Frage, ob das Ganze auch etwas leiser vonstatten gehen könnte, positiv beantwortet, gerade noch rechtzeitig, bevor ich zu frustriert werde...

Aber das Beste kommt noch. In dieser Nacht lernen wir, wo das ganze Wasser herkommt, daß wir bisher auf Korsika getrunken haben: richtig, es regnet. Und zwar gleich ordentlich, mit Blitz und Donner. Unser Zelt besteht die Regentaufe gut, aber natürlich finden wir in der Nacht wenig Schlaf. Thomas korrigiert mich gerade, er hat gut geschlafen, aber der ist auch ein Meisterschläfer, und deshalb zählt's nicht.

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