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13. Tag

Wir stehen zeitig auf, denn wir wollen, bevor wir um 09.34 mit dem Zug nach Calvi fahren, noch eine Bank besuchen, und haben dazu ein hübsches Stück zu laufen. Ich löse einen Eurocheque ein; dann müssen wir aber schon recht schnell zum Zug gehen, den wir gerade noch erreichen. Die Fahrt kostet 69 FF und geht über Ponte Leccia, wo wir mit einer halben Stunde Wartezeit umsteigen müssen. In einer Epicerie decken wir uns mit Frühstück und Getränken ein, denn die Fahrt ist lang und unsere Mägen fast leer.

Der Bahnhof von Ponte Leccia: auch neue Fahrzeuge können über die Qualität der Gleise nicht hinwegtäuschen

Kurz nach 10.30 kommt dann unser Anschlußzug; es handelt sich um ein etwas älteres Modell: wir fahren mit offenen Türen und verstehen vor lauter Fahrtlärm unser eigenes Wort nicht. Den Zug begleitet ein Schaffner, den man am treffendsten mit dem Wort "Berufshektiker" beschreiben kann. Er rennt bei jedem Halt um den Zug herum, obwohl es nichts zu rennen gibt, er redet viel, wo es nichts zu reden gibt, und er fuchtelt herum, wo es nichts zu fuchteln gibt. Insbesondere schafft er es, jeden aussteigenden Passagier persönlich zu interviewen, ob er/sie auch sein/ihr Gepäck schon hat, und jedem einsteigenden Passagier weist er den (seiner Meinung nach) richtigen Wagen zu. Mit einem Korsen bin ich einer Meinung, es handelt sich bei diesem Schaffner um ein Unikat und sicher nicht um einen echten Korsen, denn kein Korse würde sich in der Hitze so hektisch verhalten.

Die Fahrt dauert insgesamt etwa drei Stunden. Wir kommen durch das Gebiet bei Novella, von dem vor zwei Tagen in den Zeitungen zu lesen stand, daß dort über 1000ha Wald gebrannt haben, und es sieht dort auch wirklich furchtbar aus. Wer das gesehen hat und immer noch brennende Zigaretten wegwirft, dem spreche ich jeden Charakter ab.

Bis L'Ile Rousse (Hafenstadt im Norden) schlängelt sich der Zug durchs Gebirge und durch Tunnel, aber ab dann fährt er nur noch direkt am Strand entlang, nur durch wenige Meter Sand vom Meer getrennt. Wer seinen Urlaub am Strand mit möglichst nahem Campingplatz verbringen will, der sollte das irgendwo zwischen Calvi und L'Ile Rousse tun: einfach an einer der zahlreichen Stationen aus dem Zug aussteigen, man kann nichts verkehrt machen.

Obwohl uns die Hitze quält und das Meer lockt, halten wir tapfer durch bis Calvi und sehen uns nach unserer Ankunft erst mal die Stadt an. Calvi liegt an der Küste auf einem Sporn und hat etwa 3700 Einwohner, beherbergt aber in der Saison bis zu 30000 Touristen. Es ist eine lebhafte und voll auf den Tourismus ausgerichtete Stadt, aber irgendwie wirkt das doch nicht aufdringlich, sogar der Verkehr hält sich einigermaßen in Grenzen.

Calvi hat einen großen Yachthafen und einen sehr großen Ortsstrand, an dem man vielen sportlichen Aktivitäten nachgehen kann. Die eigentliche Altstadt liegt im Wahrzeichen Calvis, und das ist wieder mal eine Zitadelle. Bloß ist diese hier so groß, daß sie wirklich ein eigener Ort ist, mit Fremdenlegions-Kaserne, der Kirche St. Jean-Baptiste, Geschäften und etlichen Wohnhäusern.

An der Zitadelle wird gegessen, danach lockt der Strand, doch auf dem Weg dorthin decken wir uns in einem Supermarkt noch mit Essen und Trinken ein. Der Strand ist flach, mit sehr feinem weißen Sand und genügend Platz für jedes Handtuch. Ich bin nicht zu halten und gehe gleich ins Wasser - und erlebe gleich einige Enttäuschungen. Man muß schon 200m weit gehen, um überhaupt schwimmen zu können (denn das Ufer ist seeeeehr flach), und das Wasser ist so warm wie im Hallenbad am Warmbadetag; von einer Erfrischung kann man kaum reden. Markus kriegt die Wassertemperatur raus: 27°C, die Luft ist kaum wärmer (30°C), dafür ist es aber unglaublich schwül.

Das wäre Calvi... Der Hafen von Calvi; Zitadelle

Wir liegen noch eine Zeitlang faul rum (und schwitzen dabei!), dann machen wir uns auf die Suche nach einem Campingplatz. Der erste, der uns über den Weg läuft (bzw. wir ihm), heißt "Camping International", und weil wir keine Lust haben, noch weiterzulaufen, nehmen wir ihn. Es ist ein eingezäunter Acker, aber wir finden einen Platz, der eben genug zum Schlafen ist. Kaum ist es dunkel, dreht ein halbes Dutzend stockbesoffener Italiener in der Nachbarschaft auf und macht Zoff bis nach Mitternacht, sie grölen und versuchen zu singen, was im Absingen der ersten (und aus guten Gründen nicht mehr gesungenen) Strophe des Deutschlandlieds ("Deutschland, Deutschland, über alles") mit italienischem Touch seinen traurigen Höhepunkt findet - ich bin sprachlos, und wenn es Deutsche gewesen wären, würde ich mich schämen. Zusätzlich schlägt jemand den ganzen Abend in einiger Entfernung auf Bongos rum - wenigstens er macht dem Namen des Campingplatzes alle Ehre.

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