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12. Tag

Weil heute Sonntag ist, schlafen wir aus, vor 08.30 steht keiner auf, und vor 13.00 kommen wir vom Campingplatz auch nicht weg. Es gibt einiges zu tun, insbesondere muß etliches mal wieder gewaschen werden, und heute ist Materialpflege angesetzt.

Danach machen wir Corte unsicher. Die Zitadelle ist mit ihrem hoch emporragenden "Adlernest", sozusagen eine kleine Festung in der Festung), ein Ort, den man alleine schon wegen der Aussicht auf Corte einfach besuchen muß.

Nahe bei der Festung treiben wir nach unserem Rundgang einen Laden auf, der auf Sonntag Getränke in großen Flaschen und sogar gekühlt zu anständigen Preisen verkauft, und das ist gut so, denn wenn wir unseren momentanen Durst in Gasthäusern stillen müßten, wären wir um einiges ärmer.

Wir fragen am Bahnhof, ob man uns Auskunft geben kann über Abfahrtszeiten in Nizza und Marseille - man kann nicht. Von Computern keine Spur, nicht einmal ein armseliges Kursbuch! Man ruft für uns auch nicht extra in Nizza an, denn ein Anruf auf das französische Festland ist fast so teuer wie ein Auslandsgespräch. Das Syndicat d'Initiative (Touristeninformation) besteht nur aus dem Eintrittskartenverkäufer an der Zitadelle - wir fragen erst gar nicht. Ein Anruf auf dem französischen Festland ist fast so teuer wie einer in Deutschland, und so beschließen wir, unsere Leute zuhause dafür einzuspannen. Ein erster Anruf fordert die Auskünfte an, und ein zweiter eine halbe Stunde später liefert uns die gewünschten Informationen. Ohne dieses Wissen können wir die Fährverbindungen nicht so auswählen, daß wir nirgends außerhalb eines Verkehrsmittels über Nacht bleiben müssen. Warum das am zwölften Tag schon aktuell ist? Weil Markus schon recht bald nach Hause will, denn er muß sich noch auf einige Prüfungen vorbereiten und möchte auf Nummer Sicher gehen.

Um 16.30 sind wir wieder auf dem Campingplatz und nehmen unser Mittagessen (Ravioli) ausnahmsweise mal nicht kurz vor dem Schlafengehen ein. Dabei und danach lernen wir eine Jura-Studentin aus Frankfurt/Main kennen, die in Heidelberg studiert und sich zur Zeit allein auf Korsika rumtreibt. Ihre Mutter ist Griechin, und dementsprechend war sie schon oft in Griechenland und ist auch sonst schon viel in der Welt rumgekommen; sie hat also einiges zu erzählen.

Zusammen mit ihr und Thomas gehe ich zum naheliegenden Tavignanu-Fluß schwimmen (allerdings ist ihr dann das Wasser zu kalt, um mit mehr als den Füßen reinzugehen), was sich als eine sehr angenehme Erfrischung erweist. Danach legen Thomas und ich (Schwimmen macht eben hungrig) noch einen zweiten Gang (bestehend aus einer Suppe und einer Dose Mais) ein.

Heute abend ist unser Kreis auf zehn Personen angewachsen; die Franken sind auch noch da, sie fahren morgen nachmittag nach Ile Rousse weiter. Gesungen wird jedoch nicht, dafür Tee getrunken und geredet, bis sich einzelne nach und nach verziehen und sich die in den umliegenden Zelten liegenden Leute genug beschwert haben.

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