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10. Tag

Irgendwann nach 08.00 gehen wir los; der Weg geht zunächst so 50Hm bergan. Dort erwartet uns bereits sehnsüchtig ein wirklich rauher Abstieg um immerhin 600Hm, den wir aber gut hinter uns bringen, obwohl die Knie davon nicht allzu begeistert sind. Wir sehen ein, daß Wanderstöcke vielleicht doch sinnvoll sind.

Noch vor 11.00 kommen wir nach Col de Verde, wo wir Rast an einer Kneipe machen, die Sandwiches anbietet - aus nichts als einem Drittel Flûtes und Schinken (Lonzu) oder Salami oder Käse für stolze 22 FF! Wir genehmigen sie uns trotzdem, denn wir haben nicht nichts richtiges gefrühstückt in der Erwartung, hier was besseres als Müsli zu kriegen (und natürlich auch, um unsere diesbezüglichen Vorräte zu schonen), aber dafür trinken wir halt nichts außer Wasser, und das gibt's am Brunnen reichlich und kostenlos.

Als wir mit unseren Sandwiches fertig sind, kommt die Radio-Gruppe. Nach der üblichen Handzeichen- und Grins-Begrüßung futtern sie sich durch einige Chipstüten und trinken auch einiges; offenbar spielt Geld für sie keine Rolex, denn beides ist hier wirklich teuer.

Eigentlich wäre jetzt die heutige Etappe schon beendet (auch hier gibt es eine Refuge), aber wir hängen noch eine dran, die etwa 15km lang ist und sich bis auf drei kleinere Stellen (Anstiege) wirklich gut geht. Es gibt zwischendurch einen Bach, der in der Nähe einer Hängebrücke (allmählich werden die Brücken interessanter weil größer und höher) zum Fußbad einlädt, was wir in Anbetracht der Tatsache, daß gerade Siesta-Zeit ist, auch annehmen. Allerdings ist das Wasser so kalt, daß man die Füße nicht allzu lange im Wasser lassen kann, wenn man am gleichen Tag noch darauf angewiesen ist.

Mit Wasser ist diese Etappe überhaupt gut ausgestattet; man braucht nicht mehr als einen Liter pro Person zu schleppen, denn bevor der alle ist, findet man neues.

Eine einsame Kuh am Wegesrand

(Auf der Karte) Kurz vor unserem Etappenziel geht es dann erstaunlicherweise sehr viel mehr bergan, als man aus der Karte herausliest. Wir landen nach anstrengenden etwa 150Hm bei einer Bergerie, auf der allerdings nichts verkauft wird. Immerhin gibt's gutes Wasser in rauhen Mengen, und es tut schon gut, da den Kopf drunterzuhalten und den Mund dabei aufzumachen.

Die Bergerie Capanelle

Nach kurzer Rast schaffen wir uns weiter bis Capanelle, eine Ski-Lift-Basisstation mit einigen Bergerie-Häusern, einem "Hotel" mit Laden und Matratzenlager sowie zwei klitzekleinen Refuges und einigen recht mäßigen Möglichkeiten, Zelte aufzubauen, kombiniert mit einer Straße. Wir ergänzen im recht gut sortierten kleinen Laden (aber kein Spiritus!) unsere Vorräte so weit, wie wir sie für heute abend brauchen, unter anderem zwei Dosen, die laut Etikett ein Gemisch aus weißen Bohnen, Würstchen und Salamischeiben enthalten. Allerdings schmeckt das Zeug dermaßen scheußlich, daß Nachfolgern davon wirklich nur abgeraten werden kann. Markus und ich schnappen noch ein paar Pastis (das ist das billigste Getränk in der Kneipe, ein 45-prozentiger Anisschnaps, den man 1:5 mit Eiswasser verdünnt trinkt), bevor wir uns aufs Ohr hauen. Klar doch, daß in der Kneipe die Radio-Gruppe sitzt. Das Einschlafen wird allerdings sabotiert von einem extrem lauten Mofa, dem geschwätzigen Wirt, der vor der Tür in nur einer halben Stunde einen Gast verabschiedet und seiner Schwäche für Pferdezucht, die einen Hund und seinen Sohn längere Zeit damit beschäftigt, die Viecher zusammenzutreiben und zusammenzuhalten. Außerdem läuft bis in die halbe Nacht hinein ein Dieselaggregat für diejenigen im Hotel, die unbedingt noch pinkeln gehen müssen und dabei im Dunkeln nicht zurechtkommen, denn ans Stromnetz sind die hier nicht angeschlossen.

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