Um Marseille nicht zu verpassen, stellt Thomas den Wecker seiner an einer Kordel hängenden Stoppuhr. Als vorsichtiger Mensch macht er zuerst einen Testlauf, und stellt dabei fest, daß unser einziger Wecker - nicht geht. In der Annahme, daß wir richtig schlafen könnten, schreibt er einen Zettel für den Schaffner, den er an die Tür pinnt. Im Nachhinein gesehen ein sinnloses Unterfangen, denn unsere Karten hat er schon gesehen, und zwischen Nancy (so 22.00) und Marseille hält der Zug nicht, also geht der Schaffner auch nicht durch die Wagen.
Mit drei Leuten in einem Sechserabteil zu schlafen, erweist sich als nicht ganz so einfach, denn die Sitze sind in zwei gegenüberliegenden Reihen zu je dreien angeordnet. Thomas' und mein Versuch, eine solche Dreierreihe als Liegefläche zu teilen, breche ich irgendwann ab und lege mich mit der Isomatte auf den Fußboden. Viel schlafen ist dort aber nicht, denn ohne Polster kriegt man jede noch so kleine Erschütterung ab, und hart ist es auch noch.
Der Zug fährt vor allem auf dem ersten Teil der Strecke eher langsam und macht viele Halts auch außerhalb von Bahnhöfen. Man kann die Fenster des vollklimatisierten Abteils nicht öffnen, und so kann ich nicht sehen, warum diese Halts gemacht werden. Allerdings habe ich mehrmals rote Signale gesehen und vermute daher, daß bei der SNCF genau wie bei der Deutschen Bundesbahn (DB) so, daß nachts Güterzüge Vorrang haben. Möglicherweise wird der Zug auch auf offener Strecke zusammengestellt, denn auch aus anderen Rchtungen kommen Kurswagen mit anderen Zügen, die in Richtung Marseille-Nizza (Nice) fahren. Die Aufenthalte sind schon recht nervig; zum Beispiel stehen wir von 20.20 bis 21.10. Ab Nancy fährt der Zug dann bis Marseille durch (also nur noch Halte außerhalb von Bahnhöfen), wo er dann um 05.15 mit sieben Minuten Verspätung ankommt, aber das gehört schon zum 1. Tag.